Tapetenwechsel?
05.02.2015
» kunst

Oh Fail, You Beauty

von Amira Ben Saoud  


Thomas Albdorf macht Dinge mit dem Internet und es mit ihm. Anlässlich seiner Einzelausstellung in der Fotogalerie Wien haben wir mit dem jungen österreichischen Künstler gesprochen, lolz.

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Copyright: Thomas Albdorf: 1: Untitled #15 (from the series Former Writer: Colour on Surface), 2013, 2: Typical Alpine Flora at the Hochschwab Area (from the series Beholding Mountains (working title)), 2014, Pigmentprint 90 × 60 cm, 3: Yellow Spraypaint (Pissdrunx?) on Stone at Yellowstone Park as seen on Google Street View, 2014, Screenshot, Pigmentprint 80 × 80 cm, 4:Evelyn Shaking a Bottle of Water, 2013Pigmentprint, 45 × 30 cm, 5: Thomas Albdorf


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Dieser Artikel ist mir was wert:

Eigentlich bedürfte es hier keiner Offenlegung, wenn es sich jemals richtig durchgesetzt hätte, Künstlerperson und Privatperson voneinander zu unterscheiden. Doch das hat es nicht – teilweise sogar aus guten Gründen – und so haben wir an dieser Stelle zu erwähnen, dass der Künstler Thomas Albdorf unter seinem etwas anderen Geburtsnamen als Grafiker in der Firma arbeitet, die auch Medieninhaber von The Gap ist.

Warum wir das trotzdem bringen?

Nun ja, nach einer Gruppenausstellung im prestigeträchtigen Salzburger Fotohof, und einer Nennung auf der "Ones to Watch 2014"-Liste des British Journal of Photography wird Thomas Albdorf nun in der Fotogalerie Wien eine Einzelausstellung gewidmet. Jedes Jahr wird diese Ehre nur einem aufstrebenden Künstler zu Teil und da kann man als kunstaffines Medium eben schwer wegschauen.

Mindestens genauso schwer, wie von Thomas Albdorfs Arbeiten wegzuschauen, wunderbaren Manifestationen einer Nowness, wie sie der ersten Generation, die im Internet großgeworden ist, gerade in ihrer – Achtung, Kunstwort – "Glitch-ichkeit" auf Leib und Augen geschnitten sind. Für die Nicht-Natives müssen Albdorfs wohl eine eigenartige Ferne haben – Der gute Benjamin würde es vielleicht Aura nennen. In jedem Fall zwingen die teilweise hochästhetisierten Arbeiten zum Starren und zu fragen, was hier echt ist und was nicht.

Zu den Eigenheiten von "Internetkunst", Google Maps und dem Horrorthema Intention haben wir dem gebürtigen Linzer ein paar Fragen geschickt. Fußball war aber auch Thema.

 

Ich würde behaupten, deine Kunst funktioniert sowohl in einer Galerie als auch online. Wie fühlt sich in einer Ausstellung zu hängen für jemanden an, der sich zu großen Teilen mit Digitalem beschäftigt. Oder anders gefragt: differenzierst du zwischen "Internetkunst" und anderer und könntest du dich hier mehr zu einem als zu dem anderen zuordnen?

Ich denke, dass es in meiner Arbeit primär um einen abstrakten, virtuellen Bildraum geht, der natürlich sehr stark mit unserer zeitgenössischen Bildrezeption zusammenhängt – because the Internet. Ich bin aber weder wirklich Internet noch Post-Internet, sondern wohl Post-Photography – LOL #categories. Generell ist es für mich hochspannend, meine ganzen Arbeiten, die solange nur als Photoshop-Files oder JPEGs existieren, auch in einen Ausstellungskontext zu bringen – eine zweite physische Manifestation von pre-fotografischen faktischen Dingen, die ich analog und digital verändert habe. Die Ausstellung würde aber wohl ohne meine Online-Arbeit nicht funktionieren bzw. Sinn ergeben, während mein Instagram und Tumblr auch ohne Galerieraum existieren können. Denke ich.

Eine Einzelaustellung in jungen Jahren ist mit ordentlich Prestige behaftet. Du brotjobbst trotzdem nebenbei, nämlich bei uns. Wann könntest du dich Vollzeit der künstlerischen Arbeit widmen. Was müsste dafür passieren?

Sich Vollzeit der Kunst zu widmen ist für mich absolut unrealistisch, und das wird es wohl die nächsten Jahre auch noch bleiben, wenn es sich denn überhaupt jemals ändert. Ich wüsste einfach nicht, wie das funktionieren sollte. Es bleiben einem ja nur zwei Wege: der durch den Förderdschungel, den es immerhin in Österreich gibt, Gott sei Lob und Dank (sic). Oder man versucht marktkonform zu arbeiten, was auch immer das innerhalb der Alpenrepublik heißen soll – ich wüsste es nicht. Ich habe für mich einfach entschieden, dass ich am besten arbeiten kann, wenn ich einen (part-time) Dayjob habe, der mir ermöglicht, in meiner Kunst zu machen, was grad geht – also auch mal Durchhänger zu haben, Sachen zu probieren, die nach Monaten ins Leere führen, und so weiter. Derzeit derpack ich es ganz gut. 

Stört es dich, wenn man deine Kunst als "dekorativ" bezeichnet?

Ich halte meine Fotografie teils für hochdekorativ – nicht nur, aber dieser Entry-Level ist mir sehr wichtig. Im Idealfall hole ich Leute über eine gewisse Ästhetik zu mir, erwecke gewisse Erwartungshaltungen, die sich dann bei genauerer Betrachtung dekonstruieren.

Nächste Seite: Output, Google Maps, Kanye und was Albdorf im Internet sonst so treibt…

 

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