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Science Busters im Interview
von Niko Alm
Die Eso-Doku über Lichtesser "Am Anfang war das Licht" bringt Zuseher ins Kino. Das reicht für die Top Ten an der Kinokassa. Die Science Busters fanden den Film wiederum nicht so lustig. Niko Alm (Ex-The Gap Herausgeber und Mitinitiator von Laizismus.at) hat die Naturwissenschaftler zum Film befragt.
Hat euch der Film unterhalten oder wart ihr verärgert?
Science Busters: Er war schon spannend, weil er so manipulativ war, wie man es selten sieht.
Fällt der Film in die Kategorie Fantasy, Doku oder Sci-Fi?
Science Busters: Man kann hier zweierlei Meinungen haben: entweder ein schlecht gemachten Fantasyfilm oder eine schlecht recherchierte Doku. Oder noch besser: ein schlechter als Doku getarnter Fanatsyfilm.
Warum kann man sich nicht von Licht ernähren?
Science Busters: Es gibt kein Lebewesen auf der Welt, das sich von Licht ernähren kann. Auch Pflanzen nehmen Kohlendoxid zu sich und geben Sauerstoff ab. Dafür benötigen sie Licht, aber auch Wasser und Dünger. Die Zellen von Lebewesen benötigen Wasser und Nährstoffe.
Aber warum behaupten Jasmuheen und Prahlad Jani dann, dass sie jahre- und jahrzehntelang nichts essen (müssen)?
Science Busters: Das müsste man den Yogi selber fragen. Aber er ist schließlich dadurch nicht nur in seinem Heimatland berühmt geworden, sondern hat nicht zuletzt durch den Film weltweite Publizität bekommen. Die medizinischen Untersuchungen durch indische Ärzte und des indischen Verteidigungsministerium sind ein Witz und nicht einmal schlechte Wissenschaft. Auf jedem Fall haben sich auch Universitäten angeboten haben an der Untersuchung dieses Yogis mitzuwirken. Der Vorsitzende der amerikanischen Skeptikerorganisation James Randi hätte auch gerne eine Einladung erhalten, man hat aber solche Leute bewusst nicht eingeladen. Im Falle des wissenschaftliches Nachweises, dass der indische Yogi sich tatsächlich von Licht ernähren kann, hätte James Randi sogar eine Million Dollar bezahlt.
Sind das gar Betrüger? Selbt wenn der Yogi keinen Harn lässt, müsste er dann nicht Wasserdampf ausatmen und schwitzen?
Science Busters: Da ein Mensch pro Tag rund einen Liter Wasser ausatmet und ausschwitzt, muss man davon ausgehen, dass der Yogi ein Lügner und Schwindler ist.
Anscheinend ist es nicht so schwer 10 Tage zu fasten. Immerhin liegt der Weltrekord bei ca. 50 Tagen (mit trinken). Kann man das erlernen?
Science Busters: Das braucht man nicht erlernen. Nach rund 4 Tagen hat man kein Hungergefühl mehr. Man fühlt sich sogar besser, weil Endorphine (körpereigene Drogen) ausgeschüttet werden.
Was ist von der Theorie zu halten, dass wir Nahrung ja ohnehin nur zerlegen um Energie zu gewinnen und stattdessen ja einfach direkt die Energie nützen könnten?
Science Busters: Gar nichts, denn das stimmt so nicht. Unsere Nahrung besteht zwar direkt oder indirekt aus Pflanzen, diese benötigen zwar Licht, aber sie benötigen auch Kohlendoxid und Dünger. Werden Pflanzen hermetisch eingesperrt, also ohne Gasaustausch, dann sterben sie bald ab, auch wenn sie ausreichend Licht haben. Allein um den täglichen Verbrauch eines Menschen an Kohlenstoffatomen zu ersetzen müsste man sich eine Milliarde Jahre in die Sonne legen.
Stört es euch, dass das CERN als Zeuge in dem Film angeführt wird?
Science Busters: Genau das ist das Manipulative an dem Film, es werden Experten zitiert, die auf ihrem Gebiet vielleicht Koryphäen sind. Aber bei dieser Thematik muss man sich auf dem Gebiet der Neurowissenschaften, der Manipulation, der Biophysik und auch in der Biologie auskennen, und von Experimenten sollte man auch noch eine Ahnung haben. Da bleiben dann nicht wirklich viele Personen übrig. Problematisch sind auch die Ärzte, die interviewt wurden. Ich gehe zu einem Arzt, wenn ich krank bin, aber nicht um ein Forschungsexperiment durchzuführen. Ärzte haben zumeist eine zu geringe naturwissenschaftliche Ausbildung, um solche Forschungsexperimente durchzuführen.
Wie könnt ihr euch erklären, dass P.A. Straubinger keine geeigneten Kritiker gefunden hat? Gibt es keine?
Science Busters: Besonders bedenklich ist, dass P.A. Straubinger auf der ganzen Welt nur die handvoll esoterisch angehauchten Wissenschaftler oder besser gesagt wissenschaftlich angehauchten Esoteriker aufgesucht hat und sie zu Worte kommen lässt. Zum Beispiel wird der im Film auftretende Biologe Rupert Sheldrake in der Wissenschaft schon lange nicht mehr Ernst genommen und ignoriert, weil sich seine so genannten morphischen Felder niemals nachweisen ließen. Es gäbe jede Menge Kritiker, aber würde dann der Film dann noch funktionieren und irgend jemanden interessieren?
Das Fazit der Science Busters: Leider wird daher auch in Zukunft gelten: wenn wir in der Nacht zum Kühlschrank gehen und zunehmen, dann ist auf alle Fälle nicht das Licht im Kühlschrank schuld.
Die Science Busters, bestehend aus Heinz Oberhummer (TU – Wien), Werner Gruber (UNI Wien), Martin Puntigam und Christian Gallei, reiten für die Physik im Wiener Rabenhof Theater und auf Bühnen im ganzen deutschsprachigen Raum, in Funk (FM4) und Fernsehen (Wien Heute), und in ihrem neuen Buch „Wer nichts weiss, muss alles glauben“ (Ecowin).
Eine weitere Kritik zum Film aus dem Schoß der "Wir machen Wissenschaft mit echten Zahlen" Front findet sich hier auf scienceblogs.de
http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2010/09/am-anfang-war-das-licht.php


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