Tapetenwechsel?
13.12.2011
» film

Film Austria - Peter Zawrel im Gespräch

von Moritz Gaudlitz  


Der ehemalige Geschäftsführer des Filmfonds Wien im Gespräch über die Filmstadt Wien, den österreichischen Film und die Probleme des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Bild: Peter_Zawrel_Portrait.jpg

Bild: Bildschirmfoto_2011-12-13_um_11.22.34.jpg



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Sie waren 12 Jahre Geschäftsführer des Filmfonds Wien. Was hat sich in dieser Zeit entwickelt? Was war ihr Triumph?

Von Triumphen möchte ich nicht sprechen. Das klingt immer so nach Sportveranstaltung oder Militarismus. Wichtig war die Internationalisierung des österreichischen Films. Als ich 1999 beim Filmfons Wien begonnen habe (Das Jahr, in dem „Nordrand“ von Barbara Albert in Venedig gezeigt wurde), zeigte sich ein italienischer Journalist davon überrascht, dass im nördlichen Nachbarland neben guten Mehlspeisen auch ausgezeichnete Filme gemacht werden. Es ergab sich eine Aufbruchsstimmung. Internationale Erfolge waren wichtig für das Selbstbewusstsein im eigenen Land. In den 90er Jahren hat man in Österreich kaum gewusst, was Weltvertriebe sind und was diese machen. Erst Ende der 90er Jahre haben einheimische Produzenten mit Weltvertrieben zusammengearbeitet. Der österreichische Film wurde in den letzten zehn Jahren zu einer Brandmark.

Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Österreich hat im Verhältnis zu seiner Größe einen unglaublichen Reichtum an künstlerischen Talenten. Es gibt internationale Statistiken darüber, aber kaum Erklärungen dafür, warum der prozentuelle Anteil an Künstlern und Kulturschaffenden höher ist, als in anderen Ländern. Es ist ein Faktum, das wir zur Kenntnis nehmen müssen. Außerdem hat kein anderes Land so viele Fördermittel zur Verfügung, wie Österreich. Es gibt circa 50 Mio. Euro Fördermittel für Film. In Deutschland müsste es hochgerechnet 500 Mio. Euro geben – tut es aber nicht.

Was sind die Hauptaufgaben des Filmfonds Wien?

Die grundsätzliche Aufgabe ist es, jedem Projekt, das die Herstellung noch nicht begonnen hat, die gleichen Chancen zu geben. Das System ist eigentlich ungerecht, weil in jeder Jurysitzung Filme und Projekte als Konkurrenten aufeinander treffen, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben.

Die Aufgabe eines regionalen Fonds ist es, das Filmschaffen an einem bestimmten Standort zu fördern. Das entscheidende Kriterium für die Förderung ist: Was hat das Projekt kulturell mit der Stadt Wien zu tun, werden Wiener Filmschaffende beschäftigt, wird eine Wiener Kultur sichtbar?

Umgekehrt ist es aber auch wichtig, dass man sich an Koproduktionen beteiligt, die vielleicht gar nicht in Wien gedreht werden. 

Zu ihrer Arbeit beim Filmfonds Wien: Gab es vereinzelt Konflikte in der Jury?

Der Geschäftsführer des FFW hat zwar eine Stimme in der Jury, es ist aber nur eine von fünf. Persönlich schwierige Situationen sind dann entstanden, wenn die Jury mehrheitlich etwas abgelehnt hat, dem ich zu 100% eine Förderung zugesprochen hätte. Es kann genauso passieren, dass die Mehrheit einem Antrag zustimmt, den ich abgelehnt hätte. Vielleicht war dies sogar öfter der Fall, als umgekehrt. Das vermutet aber außerhalb niemand. Wenn die Antragsteller fragen, ob es denn mehrheitlich oder einstimmig war und man sagt, es wurde 4 zu 1 abgelehnt, glauben die dann meistens, dass ich derjenige war, der die Pro Stimme gegeben hat. Aber das ist Bestandteil des Jobs, dafür wird man bezahlt und das muss ich auch aushalten. Der wirkliche Konflikt, der einem das Leben schwer macht, ist der, der er es der gesamten Branche schwer gemacht hat.

Was hat es der Branche in den letzten Jahren schwer gemacht?

Der verspätete Generationenstreit zwischen den Etablierten, die in den 80ern angefangen haben, Kinofilm zu produzieren und der neuen jungen Generation, für die symbolisch die Coop99 steht. Anfang der 80er wurden kaum Kinofilme produziert. Und wenn, dann hatten sie eher eine Fernsehästhetik. Erst im letzten Jahrzehnt begann der Streit um die Ressourcen. Und da funktioniert die österreichische Filmbranche mehr wie ein Wolfsrudel, als wie eine geordnete Gesellschaft, in der Menschen ab einem gewissen Zeitpunkt daran denken, wie es weitergeht. Es gibt zu viele Filmproduktionen, die in den nächsten Jahren zusperren, oder schon zugesperrt haben, weil sie keinen Nachfolger haben. Der Konkurrenzkampf war wichtiger, als die Suche nach Nachfolgern. In anderen Ländern ist das anders, und der Vergleich macht mich da sicher.

 

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