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My Own Private 90ies
von Joachim Schätz
90er-Revival? Mit der schönen College-Extravaganza »Kaboom« hat Gregg Araki ein höchstpersönliches Stück Nineties-Nostalgiekino gebastelt.
Es begann mit Kuschel-R’n’B. Als Anfang des Jahres die RomCom »Freundschaft plus« mit Color Me Badds 1991er-Hit »I Wanna Sex You Up« eröffnete, konnte man das noch für einen Einzelfall halten: den etwas patzigen Versuch, auf einer Trendwelle der 90er-Jahre-Nostalgie zu surfen. Ein paar Monate später – nach »The Fighter« und »Scream 4« – ist klar, dass das 90er-Revival auch den Kino-Mainstream erreicht hat: Die Dekade des permissiven Cool ist bereits fern genug, um einer hurtig rotierenden Retrokultur als Rohstoff zu dienen.
Noch keiner der filmischen 90er-Rückblicke hat bisher aber die alchemistische Präzision von Gregg Arakis schönem neuem Film »Kaboom« erreicht. Nicht dass diese Horrorkomödie um den bisexuellen Collegestudenten Smith (Thomas Dekker) in den 90ern spielen würde. Aber Araki, der 1992 mit dem rotzigen Roadmovie »The Living End« (1992) bekannt wurde, stellt hier so detailgetreu seinen eigenen in jenem Jahrzehnt kultivierten Stil nach, dass sich die richtige Mischung aus libertärer Abgeklärtheit und Lynch’eskem Unbehagen, Karneval der Subkulturen und Weltuntergangshysterie wie von selbst einstellt: Während seine beste Freundin eine heftige Affäre mit einer Hexe (noch so eine paradigmatische Figur der 90er-Popkultur) durchleidet, ermittelt der promiske Smith gegen geheimnisvolle Ritualmörder am Campusgelände. Turbulenzen folgen.
»Kaboom« wirkt nicht so sehr wie eine Rückkehr Arakis zu vertrauten Themen und Stilmitteln der 90er, sondern eher wie eine nostalgische Rekonstruktion, bis hinein in den Placebo-Song über dem Abspann – ein »Gregg Araki-Film« nach dem Modell früherer Arbeiten (vor allem »Nowhere« von 1997), liebevoll gebaut um ein vertrautes Set von Zutaten: ein absurd attraktives Jungdarsteller-Ensemble; acrylbunte Comic-Kompositionen; hektisch schlingernde Ereignisfolgen; und hinter allem jugendlichen Elan die Ahnung einer großen Verschwörung. Das fährt ein und schaut – gerade in seiner selbstverständlichen, verblödelten Queerness – gut aus: noch immer, schon wieder.
»Kaboom« läuft ab 20. Mai im Kino.


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