Tapetenwechsel?
26.03.2012
» voice over

Introducing: Thomas Stipsits

von Klaus Buchholz  


Schrittweise drängt Thomas Stipsits ins Fernsehen und löst souverän die alte Garde österreichischer Kabarettisten ab. Wir warten mit ihm auf seine künftigen Hauptrollen.

Bild: Picture_1_3d6fe2.jpg


Quelle: The Gap 125


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Von Wien aus gesehen liegt das Burgenland nebenan. Es ist somit ähnlich gelagert wie Thomas Stipsits. Auf den Kleinkunstbühnen steht der Kabarettist, seit er 15 ist. Seinen Programmen (etwa »Griechenland«, »Cosa Nostra« oder »Bauernschach«) eilt ein preisgekrönter Ruf voraus. Selten wird er nicht ausverkauft. In Film und Fernsehen agiert er indes noch peripher. Das ändert sich gerade, beständig spielt er sich auf den Küniglberg. Bei »Tatort« mitzuwirken, gilt als TV-Ritterschlag. Den hat der 29-Jährige heuer bekommen. Ende März durfte er einen schnauzbärtigen Polizisten spielen, der seinem Kommissar (Harald Krassnitzer) nacheifert. »Und ma waas glei nach der ersten Einstellung, der wird aber nie wie der«, meinte Stipsits zu dieser Figur in der Late-Show »Willkommen Österreich«. Gegenüber den Rundfunkveteranen Stermann und Grissemann klang das wie ein Treppenwitz der TV-Geschichte. Nun löst er diese Generation ab, die das Publikum übersättigt hat. Deutlich wurde das bereits mit seinen erfrischenden Auftritten bei »Dorfers Donnerstalk« des alteingesessenen Alfred Dorfer.

Bei »Willkommen Österreich« war Stipsits damals schon zum zweiten Mal, neben ihm sein etablierter Kollege Manuel Rubey (gemeimes Projekt »Triest«). Kennengelernt hatten sie sich bei »Wie man leben soll« (2011) von David Schalko, dem Kinodebüt von Stipsits. Als wankelmütiger Jungsozialist bleibt er fast der einzige Höhepunkt dieser missratenen Komödie. Und nun, nach »Burgenland ist überall«, »FC Rückpass«, »Was gibt es Neues?« und »Comedy Couch« ist Thomas Stipsits oben im ORF angekommen.

Denn zum Glück hat David Schalko wieder eine Serie und diesmal alles richtig gemacht. In der fabelhaften TV-Groteske »Braunschlag« gibt Stipsits den bemühten Arzt, der sich Praxis und Leben noch mit seinem Arztvater teilt – in einer Gemeinde, die eine Marienerscheinung vortäuscht und dabei in ur-österreichischer Absurdität versinkt. Während Rubey als Dandy-Pfarrer viel Raum in den acht Episoden der Serie genießt, darf Stipsits in nur wenigen Nebenszenen sein vielfältiges Talent ausspielen. Noch muss der Ausnahme-Burgenländer geduldig sein. Langsam rückt die Peripherie dem Zentrum näher. Die Fernsehrepublik hat sich seine variantenreichen Figuren längst verdient.

 

»Braunschlag« ist im März auf DVD (Hoanzl) erschienen. Thomas Stipsits und Manuel Rubey sind derzeit auf Österreich-Tour und präsentieren ihr Kabarett »Triest«.

Näheres unter: www.stipsits.com

 

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