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Introducing: Lena Dunham
von Artemis Linhart
Lena Dunham ist da. Bereits seit einer Weile in der Indie-Filmszene und jetzt auch im TV. Die ersten drei Episoden ihrer neuen HBO-Serie »Girls« wurden beim diesjährigen SXSW Festival vorab gezeigt und sorgten für allerhand Nachhall.
Während ihr Film »Tiny Furniture« (2010) noch tapsig die Grenzen von Originalität und Affektiertheit auslotete und dabei eher reizlos ausfiel, scheint sie mit »Girls« langsam in die Schuhe der ernstzunehmenden Drehbuchautorin und Regisseurin hineinzuwachsen. Vielleicht ist es auch das Serienformat, das Dunhams Erzählweise begünstigt, zumal sie in ihrer Arbeit stets das Episodenhafte der menschlichen Existenz unterstreicht. Zentrale Motive ihrer Auseinandersetzung sind die post-universitäre Sinnsuche, Perspektivenlosigkeit und allumfassende Malaise. Dabei geht es ihr nicht in erster Linie um eine Verkörperung starker Frauen-(Vor)bilder (nach wie vor eine Ausnahme in Film und Fernsehen), sondern um reale, greifbare Charaktere. Was sie erreichen will ist die Normalisierung einer Fernseherfahrung für Mädchen und Frauen, die Trost, Zuspruch und Aufmunterung in einem Programm finden, mit dem sie sich identifizieren können. Dunhams Charaktere sind alles andere als vorbildlich. Sie sind voller Fehler und schlechter Entscheidungen. Und trotzdem werden sie zurechtkommen.
»Girls« kommt ohne Intrigen à la »Gossip Girl«, ohne Fels in der Brandung in Form eines Bubentrios à la »New Girl« aus. Die vier Frauenfiguren der Serie haben nicht nur einander, sie veranschaulichen auch: man ist letztlich auf sich selbst angewiesen – und das ist durchaus ok. Dunham zeichnet ihre Charaktere unbeholfen, ohne sich des leidigen Trends der »Quirkiness« zu bedienen. Zwar steht der Vorwurf einer recht exklusiven Darstellung einer weinerlichen Generation weißer, privilegierter Kids sehr berechtigt im Raum. Dennoch steht die Daseinsberechtigung ihrer Arbeit außer Frage. Obwohl HBO die Serie als für Teenager tendenziell ungeeignet erachtet, ist dies jene Zielgruppe, für die »Girls« besonders ins Gewicht fallen könnte. Bei all der Schonungslosigkeit, die Dunham als Autorin an den Tag legt, werden immerhin keine glamourösen Prototypen und illusorische Leitbilder auferlegt. Mit Lena Dunham ist HBO auf dem richtigen Weg. Und es besteht wieder Hoffnung für Frauen am großen und kleinen Bildschirm.


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