Tapetenwechsel?
20.04.2012
» filmevents

Ein Herz für kaputtes Kino

von Leo Dworschak, Jan Hestmann  


Am Freitag den 13. April wurde unter dem Titel Klub Kaputt im Wiener Filmcasino eine neue Filmreihe gestartet. Im Fokus stehen die ungeliebten Kinder des Kinos.

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Das Kino müsse wieder gefährlicher werden und ein Refugium für Abgedrängte und Unerwünschte, so die Veranstalter. Die Gutmenschen und Gesellschaftstauglichen, die Schönlinge und Johnny Depps des zahmen Hollywoodkinos müssen fortan den B-Movie-Monstren der 80er weichen.

Mit dem Klub Kaputt feierte ein Format Premiere, das von nun an jeden zweiten Freitag im Monat die blutrünstigen Albtraumgestalten aus den Hinterhöfen der amerikanischen Filmindustrie auf die Leinwand des Wiener Filmcasinos transferiert.

Zur Erstauflage gaben sich zwei Allzeitgrößen des Slasher-Genres die Ehre: Freddy Krüger und Jason Voorhees waren sowohl im Einzel als auch im gemischten Doppel zu bewundern. Passend zum Datum wurde der Auftakt mit originalen 35mm-Kopien von „Friday the 13th: The Final Chapter“, „A Nightmare On Elm Street“ und „Freddy Vs. Jason“ gefeiert. Unsere Redakteure Jan Hestmann und Leo Dworschak sprachen mit Organisator Markus Keuschnigg (Slash Filmfestival) über seine neue Filmreihe und seinem Konzept einer unorthodoxen Cinephilie für Kinoliebhaber abseits verstaubter Strukturen.

 

Warum startet der Klub Kaputt mit Freddy und Jason?

Es war uns von Anfang an klar, dass wir Filmklassiker zeigen wollen, die in der österreichischen Filmkulturlandschaft sonst wenig Abdrücke finden. Der Klub Kaputt ist grundsätzlich ja eine Veranstaltung, die sich sehr stark auf das konzentrieren soll, was wirklich randständig ist. Das ist mir bewusst, das ist weder die Freitag-der-Dreizehnte-Reihe noch die Nightmare-on-Elm-Street-Reihe. Die sind relativ populär. Wir wollten aber auch für die Eröffnung einfach etwas haben, wo die Leute aufmerksam auf uns werden und haben uns dann gedacht, dass ist eine ganz schöne Idee zum Freitag den Dreizehnten. Wir wollten an und für sich ein Freitag-der-Dreizehnte Marathon-Screening veranstalten, doch das ist aus Gründen der Kopienverfügbarkeit nicht möglich gewesen.

Ihr benutzt ja die originalen 35mm-Filmkopien.

Für uns war von Anfang an klar, dass wenn wir Klassiker zeigen, wir dann immer auf Kopien gehen, immer auf 35mm-Kopien, Originalversion, ungeschnitten. Wir machen das ja auch für die Fans da draußen, für viele Leute, die eben noch nie Gelegenheit gehabt haben, diese Filme auf der großen Leinwand zu sehen, dafür wofür sie letzten Endes gemacht worden sind. Das schließt dann leider einige Sachen von vorneherein aus.

Die Freitag-der-Dreizehnte-Reihe ist leider kopienmäßig nicht sonderlich gut erhalten. In einem deutschen Archiv haben wir von Teil Drei und Teil Vier Kopien gefunden, die wir bekommen hätten und eine davon jetzt haben. Die beiden Filme sind in Deutschland verboten, dürfen nicht aufgeführt werden, es dürfen auch keine DVDs davon verkauft werden. Das Archiv hat dort zu uns gesagt, sie dürfen die Filme nicht rausgeben. Ich hab wochenlang argumentiert, dass sie in Österreich ja nicht verboten sind, hab irgendwann sogar angeboten, ihnen die Kopie abzukaufen. Und dann, noch mal eine Woche später, ging es plötzlich und wir haben den vierten Teil geliefert bekommen. Ich habe erfahren, dass die Filmkopie vernichtet hätte werden sollen, weil die Beschlagnahmung erneuert worden ist. Das heißt, wir haben die Kopie jetzt indirekt auch vor der Vernichtung gerettet.

Unter diesem ganzen Licht, finde ich, passt der Film dann schon wieder sehr gut als Eröffnungsfilm des Klub Kaputt, weil er zeigt, wie hierarchisch das filmarchivarische Denken ist. Was ist es wert geschützt und bewahrt zu werden? Was wird dann einfach vernichtet, weil man es nicht vorführen darf? 

Was passiert nach dem ersten Klub Kaputt mit der geretteten Kopie?

Der Film liegt dann in einem Wiener Lager und ist für die Nachwelt erhalten. Die Kopie schaut auch noch relativ gut aus, sie ist ein bisschen rotstichig, aber das ist nicht sonderlich störend. Der Rotstich entsteht, wenn die Kopie zu warm gelagert wird. Man hat sie dort offenbar irgendwo hingelegt, auf den Esstisch vielleicht - jedenfalls in kein gutes Filmlager. Ansonsten schaut sie aber toll aus. Sie wurde offenbar nie gespielt, es gibt wenig Verschmutzungen.

Sind 35mm-Kopien noch schwieriger zu bekommen?

Es ist schwer, weil die Filme die wir haben wollen üblicherweise Filme sind, die nicht so gut gepflegt worden, die nicht so gut archiviert worden sind. Sie schlummern nicht in einer restaurierten Fassung in einem Dungeon, wo man dann einfach anrufen und um eine Kopie bitten muss. Es gehört auch immer viel Glück dazu. Mit ein Grund, warum mir die Arbeit einfach Freude macht, ist, weil man halt ein bisschen detektivisch arbeiten muss. Das ist dann das Besondere, der Moment, in dem man eine Kopie endlich in den Fingern hat und sie durch den Projektor rattern sieht.

Ich bin am Ostermontag um 23 Uhr ins Filmcasino geradelt, weil mir der Vorführer gesagt hat, die Kopie ist eingetroffen. So ein Film ist wie eine Zeitmaschine. Da liegen Zetteln drin, wo dann eben Anweisungen draufstehen, wann man sie aufführen darf – Freitag der Dreizehnte nicht am Karfreitag! Das hat etwas Besonderes, das hat eine Textur, und dieses Gefühl wollen wir mit dem Klub Kaputt aufleben lassen. Der Klub Kaputt soll ein Ort für eine Filmkultur, eine Liebhaberkultur sein. Wir werden Cocktails mixen, Chili con Carne kochen und Langspielplatten auflegen. Es soll kein Zwang sein, sondern so relaxt wie irgendmöglich. Und ein Gefühl soll übrig bleiben.

Der Klub Kaputt soll die unliebsamen Figuren abseits der Bestenlisten und Filmpreise auf die Leinwand bringen. Freddy Krüger schaffte es in einer Wahl des American Film Institutes aber immerhin unter die Top 50 der Film-Bösewichte.

 

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