Tapetenwechsel?
17.08.2011
» voice over

Uwe Boll vs. The World

von Joachim Schätz  


Deutschlands eifrigster US-Filmexport Uwe Boll meldet sich zurück zum Krisen-Rapport: Mit »BloodRayne: The Third Reich« beweist er sich erneut als begrenzter Filmemacher, aber begnadeter Audiokommentarsprecher.

 

Bild: 118_Voice_Over_Uwe_Boll_Dungeon_Siege.jpg


Quelle: The Gap 118


social widgets
Sharen, Bookmarken etc.:





Dieser Artikel ist mir was wert:

Der Regiekommentar gehört mit ziemlicher Sicherheit zu den unnötigsten Erfindungen, seit es Filme auf Scheiben gibt: Wer hört sie eigentlich je ab, diese öden Abfolgen aus Set-Anekdoten, Lobhudeleien und zu Tode erklärten Szenen, die Filmemacher pflichtschuldig auf DVDs und Blu-rays sprechen? Die Ausnahme, die die Regel bestätigt, heißt Uwe Boll: Dessen Kommentare sind an den DVDs seiner Filme meist das unterhaltsamste. Boll, der sich mit Videospieladaptionen wie »House Of The Dead« (2003) oder »Alone In The Dark« (2005) einen Ruf als schlechtester Regisseur der Welt erarbeitet hat, spricht seine Tonspuren ein wie ein bibelfester Republikanerprediger seine Talk Radio-Sendungen: In irrlichternden Monologen – wahlweise in Deutsch oder gebrochenem Englisch – zieht der Vielfilmer aus Wermelskirchen her über Cast & Crew, die niederträchtigen Kritiker und den Rest der Welt, der sich gegen ihn verschworen hat.

Auf den DVDs der neuen Bollwerke »BloodRayne: The Third Reich« und »Blubberella« – ein Nazivampir-Actionfilm und dessen Szene-für-Szene-Parodie, parallel heruntergekurbelt in Kroatien – kommt vor allem der unabhängige Self-Made-Unternehmer Boll zu Wort. Er gibt nicht unspannenden Wirtschaftskrisen-Unterricht, erläutert die Vorzüge und Nachteile von Sex und Gewalt auf diversen Märkten, und warum Dolph Lundgren eine sicherere Bank ist als Sean Penn. Hoffnungen für die Zukunft setzt Boll in Video-On-Demand, als kurzfristige Maßnahme besetzt er lieber mal Investorenkontakte in Kleinrollen: »Er hier rechts war ein Praktikant aus Deutschland. (…) Er kommt von dieser Münzspielautomaten-Gruppe, seine Mama arbeitet da.«

Mitten im Business ist man bei Boll sowieso immer: Kaum ein Audiokommentar ohne nebenbei abgewickeltes geschäftliches Telefonat. „Wenn ich mal kurz nichts sage, muss ich meine E-Mails kontrollieren.“ Abstecher ins Bierzelt-Ressentiment gegen »Schwuletten« etc. kosten Sympathiepunkte. Aber Bolls geschäftiger Tonfall – halb Filmnerd, halb Gebrauchtwagenhändler – strahlt mehr Enthusiasmus aus als alle Actionszenen in der »BloodRayne«-Serie zusammen.

 

»Bloodrayne: The Third Reich« und »Blubberella«(beide Splendid Entertainment) sind auf DVD und Blu-ray erschienen.

 

senf à la social media