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Wuzzler hat an Bedeutung verloren
von Thomas Weber, Martin Mühl
Die „Schraubenfabrik” war Wiens erster Coworking Space. Im partytauglichen Industriebau feiern Stefan Leitner-Sidl und Michael Pöll am Freitag, den 15. Juni ihr zehnjähriges Jubiläum. Ein Email-Interview über soziale Dynamik, spontane Partys und den kreativen Arbeitsplatz als „dritten Raum“.
Als die Schraubenfabrik vor 10 Jahren gegründet wurde, wusste hierzulande niemand, was das eigentlich ist, ein Coworking-Space. Heute gibt es allein in Wien eine Hand voll solcher sozialer Orte für Start-ups, Einzelunternehmer und kreative Netzwerke. Was macht die Schraubenfabrik einzigartig?
Leitner-Sidl: Vermutlich dass wir die ersten waren und vor allem in den ersten Jahren mit lässigen Festen und anderen Events ein gewisses Image aufgebaut haben, das sich bis heute hält. Wir sind nach wie vor ein cooler Space mit coolen Leuten, wenn auch schon mit mehr grauen Haaren als früher.
Was unterscheidet denn einen Coworking Space von einem klassischen Gemeinschaftsbüro?
Pöll: Für mich ist der Unterschied zu einem klassischen Gemeinschaftsbüro einerseits die Größe und die daraus resultierende soziale Dynamik, die sich privat wie beruflich auswirken kann. Andererseits ist der Betrieb eines Coworking Spaces auch ein eigenes Geschäftsmodell, das mit der nötigen Erfahrung und Professionalität geführt werden sollte.
Gleich und gleich gesellt sich gern. Gilt dieser Spruch auch für die Mieter der Schraubenfabrik? Haben sich im Laufe der Jahre Branchen-Häufungen oder Cluster herauskristallisiert?
Leitner-Sidl: Wenn man die "Kreativwirtschaft" als Cluster sehen will, dann schon. Obwohl für die einzelnen "kreativen" Professionen dieser Begriff wenig Identität stiftet. Innerhalb dieses Konstruktes sind wir jedoch in den Berufen sehr heterogen, was wir als Vorteil sehen in Bezug auf Kooperationsmöglichkeiten und informellem Lernen.
Ihr bewirtschaftet neben der Schraubenfabrik im 2. Bezirk noch zwei weitere Immobilien für „co-working communities" – den „Rochuspark" in Wien-Landstrasse und die „Hutfabrik" in Gumpendorf. Gibt es da gravierende Unterschiede?
Pöll: Nein, keine großen Unterschiede in der Zusammensetzung der Leute. Eher in der Größe. Die Hutfabrik ist mit 12 Personen unser kleinster Space und somit am ehesten mit einer klassischen Bürogemeinschaft zu vergleichen. Der Rochuspark ist unser größter Space und erweitert die Büroarbeitsplätze um Shop, Lokal, Studios und Proberäume.
Alle drei Standorte liegen in klassischen Bobo-Vierteln. Gäbe es auch in Transdanubien Potenzial? Hätte Floridsdorf Bedarf an einem Coworking Space?
Leitner-Sidl: Ich halte es nicht für unmöglich, jedoch wäre die Klientel in Außenbezirken eine andere. Die kreative Szene ist für das Coworking-Konzept sehr affin, in Gegenden wie dem Karmeliterviertel oder dem Rochusmarkt lässt sich ein Coworking Space gut betreiben. Für andere Szenen haben wir die Erfahrungen noch nicht. Was wir allerdings wissen ist, dass Selbständige, die sich ihren Arbeitsort aussuchen können, nicht zu weit fahren wollen, egal ob mit Rad oder Öffis. Coworking Spaces als Instrument der Stadtentwicklung einzusetzen wäre daher ein eher gewagtes Experiment.
Als starker kreativer Knotenpunkt und als Epizentrum von Social Design und der Nachhaltigkeits-Community hat sich in den letzten Jahren der Hub in Wien Neubau herauskristallisiert. Worin unterscheidet sich die Schraubenfabrik von einem Ort wie dem Hub?
Leitner-Sidl: Unser Publikum ist vermutlich um 10 bis 20 Jahre älter, hat mehr Berufs- und Lebenserfahrung und meistens schon Familie. Man beschäftigt sich dadurch oft schon rein zeitbedingt weniger mit der Verbesserung der Welt in großen Konzepten. Das soll überhaupt nicht abwertend sein, denn ich finde es gut, wenn junge Leute mit Visionen sich vernetzen und gemeinsam was auf die Beine stellen. Bei uns ist die Community auch kleiner, aber stabiler.
Wie viele der ursprünglichen Mieter der Schraubenfabrik sind denn nach 10 Jahren immer noch vor Ort?
Pöll: Circa 20 Prozent der insgesamt 35 Mieter sind noch aus den ersten zwei Jahren. Zwei davon, Horst Zauner und Martin Lengauer, waren überhaupt die ersten, die 2002 eingezogen sind und sind noch immer da, freiwillig.


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