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Wo finde ich die Suche?
von Richard Schwarz
Welche Antworten können uns die häufig gestellten Fragen in den Support Bereichen sozialer Netzwerkdienste liefern? Ohne große Worte lösten die Designerinnen Barbara Hahn und Christine Zimmermann ihre Fragenfundstücke aus dem Kontext und generieren damit Ahnungen von der sozialen Netzwerkwelt.
Sigmund Freud nannte den Menschen einen Prothesengott. Der Homo Sapiens erweitert seinen Körper mit technischen Upgrades und findet dadurch als schwaches Tier seinen Platz auf der Erde. Doch gelegentlich, so schrieb Freud 1930, machen ihm seine Hilfsorgane noch viel zu schaffen. Ein modernes Hilfsorgan sind soziale Medien – und auch sie produzieren Schwierigkeiten.
Mit dem Projekt „FAQ – Frequently Asked Questions“ spüren Barbara Hahn und Christine Zimmermann verschriftlichte Irritationen und Grenzerfahrungen der Online-Gesellschaft auf und gehen damit einen sympathischen Weg der Netzkritik. Auf blanken, weißen Postkarten platzieren sie ihre Auswahl von 50 Fragen, die sich Nutzer bei ihrem sozialen Treiben auf den online-Communities Habbo, Hi5, Twitter, Flickr, Facebook und Xing häufig stellten. Diese Zeichen der Ratlosigkeit auf den jeweiligen Supportseiten geben – befreit von den Antworten und sonstigen Hilfsangeboten – einen humorvollen aber auch ernüchternden Einblick in das digitale Miteinander und die Nöten der Nutzer, die banal und gleichzeitig essentiell sind:
Wo finde ich die Suche?
Das ist eine dieser Fragen. Denn ohne sie steht man wie der Ochs vor'm Datenberg. Doch habe ich das gesuchte Formularfeld entdeckt, ist nicht klar, was suche ich mit der Suche und vor allem: Was finde ich mit der Suche? Der einsame weiße Balken von Google ist das markanteste Beispiel einer Suche. Die beiden Gründer der Datenumwälzmaschine träumen davon nicht nur eine Suchmaschine zu besitzen, sondern eine Antwortmaschine. In visionären Szenarien erhalte ich somit beim Aufruf von Google schon die Antworten auf mein Anliegen, da Google anhand der über mich gesammelten Daten, seine Schlüsse zieht, was mich interessiert. Das klingt optimal und effizient, doch auch danach, dass mir kaum Neues über den Weg laufen wird. Willkommen in der „Filter Bubble“.
How do I know if I'm doing the right thing?
Schwer zu sagen. Das Internet feierte Mitte 2010 seinen 20er. Es wurde schnell groß – aber wurde es auch erwachsen? Einerseits flackern an allen Ecken des Alltags Bildschirme und an allen Orten hängen wir im Netz. Doch die Online-Hypes, die kommen und gehen, lassen vermuten, dass wir noch testen, wie uns die Vernetzung Gutes tut. Schnell ist ein Online-Dienst lanciert, doch genau so schnell ist er auch wieder für viele langweilig. Wer trifft sich etwa noch auf StudiVZ, ICQ, Digg, Virb, Myspace? Die Datenhalde ist groß. Selbst Facebook büßt seine Faszination schon ein, zumindest was die Beteiligung betrifft.


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