Tapetenwechsel?
20.08.2012
» creatives

Schluss mit Behübschen

von Werner Reiter  


Die heimische Kreativwirtschaft steht im internationalen Vergleich qualitativ und wirtschaftlich gut da. Die Gesamtumsätze steigen trotz Krise und Mitbewerbern. Dennoch hat sie mit einigen strukturellen Problemen zu kämpfen. Kooperationen auf allen Ebenen sollen und können diese ausgleichen.

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Quelle: The Gap 128


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In Österreich sind kleinere und mittlere Unternehmen das Rückgrat der Wirtschaft. »Die können sich oft nicht vorstellen, dass sie sich die Arbeit von Kreativen leisten können und so beauftragen sie diese meist erst in der letzten Phase eines Entwicklungsprozesses, um das Produkt oder die Dienstleistung zu behübschen.«

Das ist laut Thomas Joszeffi noch sehr oft der Regelfall. Der ehemalige Generaldirektor der Salinen und Ehrensenator der Kunstuni Linz betätigt sich derzeit als Kuppler für Departure. Er will Brücken zwischen Kreativen und klassischer Wirtschaft schlagen. Die heimischen Creatives sind von Architektur und Design über Software und Games bis hin zur Werbung sehr kleinteilig strukturiert. Fast zwei Drittel aller Büros bestehen aus nur einer Person. Ihnen stehen Auftraggeber gegenüber, die oft um ein Vielfaches größer sind und mit ihren Kontakten einen stark formalisierten Umgang pflegen.

Brücken vor Projektbeginn schlagen

»Kreative können oft nicht darstellen, welchen Wert ihre Arbeit hat«, meint Gerin Trautenberger, der selbst seit vielen Jahren als Art Director und Kurator tätig ist. Die Vorab-Ergebnisse der aktuellen Designleiterstudie, an der er auch beteiligt ist, bestätigen das. Seit 2006 ist die Anzahl der Unternehmen, für die Design kein Thema ist oder die es nur als Styling betrachten, tendenziell gestiegen.

Damals haben nur 15 Prozent der befragten Firmen angegeben, ihre Strategie an Design auszurichten und cirka ein Drittel sahen dafür nur eine begleitende Rolle vor. Dabei würde es oft nicht nur um die Gestaltung eines Screens, sondern um das gesamte Erlebnis gehen, insbesondere bei Multimediaprojekten. Je früher Kreative eingebunden sind, desto besser gelingt das. Wenn einzelne Personen oder Einzelkämpfer überhaupt zu Ausschreibungen eingeladen werden, stellen diese meist einen enormen Aufwand dar. Und wenn sie dann gewonnen sind, müssen rasch zusätzliche Kräfte für ein Projekt organisiert werden.

Für Gerin Trautenberger sind Zusammenschlüsse wie die OS Alliance eine mögliche Lösung. Die Genossenschaft bietet Open Source-Entwicklern eine Struktur, mit der auch größere Aufträge bewältigt werden können. »Viele Kreative glauben, sie stehen mit allen anderen im Wettbewerb. Wenn sie begreifen, dass sie sich ergänzen können, vergrößern sie den ganzen Kuchen und damit auch das gemeinsame Stück«, meint Trautenberger.

Kooperation ist geteiltes Risiko

Diese Erkenntnis hat sich bei Computergrafikern schon eher durchgesetzt als in anderen Bereichen. »Unser Sektor ist extrem kooperationsorientiert«, sagt Kris Staber. Er ist Obmann und Gründer der IG Computergrafik. »Es gibt so gut wie kein Projekt, das eine Einzelperson alleine abwickeln kann.

Bei Games oder Animationen arbeiten immer mehrere, meist hoch spezialisierte Einzelpersonen oder Unternehmen zusammen.« Sein eigenes Unternehmen Arx Anima besteht aus fünf Personen. An großen Projekten, wie etwa einem aktuellen für Disney, arbeiten dann aber schon mal 30 Menschen mit. Innerhalb der Branche zu kooperieren ist für Büros in diesem Bereich die Grundlage für langfristige Geschäfte. Anstelle der klassischen Paarung Auftraggeber vs. Auftragnehmer treten tief greifende, teilweise sogar vertragliche Partnerschaften.

 

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