Tapetenwechsel?
12.07.2012
» theater und performance

Tanzen im Puls der Zeit

von Michael Woels  


Früher, "Da gab es Streit, wer der Beste sei, manche wollten abreisen ..." Hybris, Verantwortung und Geschichte waren ein paar der Themen beim Gespräch mit Impulstanz. The Gap hat den Intendanten und die Dramgaturgin des Österreich-Pavillons zum Limbo gebeten.

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Copyright: Arne Schmitt, Arnoldo JG Torres, Ivo Hofste, Michael Dürr


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Seit fast dreißig Jahren lädt Impulstanz im Sommer professionelle wie begeisterte Hobby-Tänzer - und natürlich den Rest der Welt - dazu ein, zeitgenössischen Tanz sowohl aktiv (heuer neu im Programm: Tango und Pantsula) als auch passiv zu genießen und die heißeste Zeit des Jahres zu einem großen Tanzfest zu machen. Was dahinter steht und was im zeitgenössischen Tanz, außer künstlerisches Event zu sein, noch so alles steckt, verraten uns Intendant Karl Regensburger und die Dramaturgin des neuen Österreich-Pavillons, Chris Standfest, im Gespräch.

 

Impulstanz ist das größte Tanzfestival Europas, gibt es weltweit gesehen Vergleichbares?

Karl Regensburger: In Verbindung mit dem Workshop-Festival ist es, so glaube ich, weltweit das größte. Es ist immer sehr schwer, über eigenes zu sprechen, aber ich bin immer berührt, wenn ich durch das Arsenal und seine Hallen gehe. Es ist gelungen, eine sehr konzentrierte Arbeitsatmosphäre zu kreieren. Anfang der 1990er Jahre hatten wir noch mit unfassbaren Egos von Lehrern zu tun. Da gab es Streit, wer der Beste sei, manche wollten abreisen ...

Chris Standfest: Das hat vielleicht auch mit inhaltlichen Entwicklungen zu tun. In zeitgenössischen Choreografien empfinden sich viele eher als Kollaborateure. Diese Meisterfiguren, diese Master Teacher, sind vielleicht nicht mehr wirklich zeitgemäß.

KR: Die Dozenten haben begonnen, sich auch dafür zu interessieren, was die anderen Lehrer machen. Die Wertschätzung in den Dozentenkreisen ist eine andere, 60 bis 70 Dozenten sind im Schnitt gleichzeitig hier in Wien. Da bist du ja fast zum Austausch gezwungen.

Kannst du uns kurz über die wichtigsten Etappen, die Entstehung von Impulstanz erzählen?

KR: 1982/1983 habe ich bei einem der ersten Tanzinstitute, dem Tanzforum Wien, gearbeitet. Ich war für die Organisation zuständig und habe sehr bald bemerkt, dass es internationaler Lehrkräfte bedarf, die Schwung, Bewegung und Esprit reinbringen. So habe ich auch Ismael Ivo eingeladen. Nach einer gewissen Zeit hatte ich das Gefühl, dass die Künstler mehr verdienen sollten und habe dann sozusagen die Seite gewechselt und wurde der Manager von Ismael Ivo. Wir versuchten daraufhin, selber etwas auf die Beine zu stellen, und das war die Geburtsstunde der “Ersten internationalen Sommertanzwochen” im Universitätssportzentrum Schmelz.

Wir hatten damals sechs Lehrer, die Dauer war auf zwei Wochen angesetzt und wurde aus Begeisterung gleich um eine Woche verlängert. Das waren Workshops, die ersten Performances gab es dann im Jahre 1988. Es gab enge Zusammenarbeiten mit Heiner Müller und George Tabori. Tabori hatte damals das Theater “Der Kreis”, das jetzige Schauspielhaus Wien. Es stand im Sommer leer, und er hat uns angeboten, das Haus für ein Performance-Festival zu nutzen. Statt einer Förderung gab es ein Schreiben der Stadt, dass es ja die Tanzbiennale für Produktionen gäbe und sie angenommen hätten, dass wir nur Workshops anbieten.

Das war ein bisschen unangenehm, hat uns aber eher dazu angestachelt, weiterzumachen. 1989 gingen wir dann ins Odeon-Theater. 1990 mussten wir aus finanziellen Gründen einmal aussetzen, haben dann aber aus einem unbändigen Schaffensdrang heraus in dieser Zeit die Research-Reihe, mit ProSeries und Coaching-Projekten, entwickelt. Danach ist es meinem Empfinden nach sehr organisch weitergewachsen.

Welche Rolle spielen Spielorte, wie interagieren Raum und Tanz?

KR: Die Bedeutung von Spielorten für Tanzaufführungen wurde lange Zeit unterschätzt. Die Aufführungen wurden einfach in gewisse vorhandene Theaterräume reingezwängt. Ich habe sehr viele Theaterräume gesehen. Im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten haben wir dadurch der Raumfrage ein größeres Gewicht gegeben. Durch das gute Image des Festivals ist es uns mittlerweile möglich, geeignete Räumlichkeiten für diverse Stücke zu suchen. Die Theaterleiter von Wien treten mittlerweile auch an uns heran und fragen, ob wir nicht bei ihnen spielen wollen. Wir bespielen heuer 14 verschiedene Bühnen!

 

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