» design und mode
Lust auf Niveau
von Peter Stuiber
Das Vorarlberger Büro Sägenvier ist im heimischen Grafikdesign seit Langem eine bekannte Fixgröße. Dabei waren sie nicht einmal besonders laut, als sie jung waren. Dafür vernetzen sie sich heute mit Leidenschaft.
»Ich geh in die Sägen 4«, hieß es früher bei den Weberinnen und Webern, die in der Textilfabrik in der Sägerstraße 4 in Dornbirn ihr Geld verdienten. Daher der einprägsame Name eines Büros, das sich »Designkommunikation« auf die Fahnen geschrieben hat. Was das bedeutet? Von Leitsystemen, Web und Werbung bis zu Animationen und Aktionismus kann das vieles und noch mehr sein. Gründer Sigi Ramoser erklärt es so: »Wir sehen uns als Schnittstelle. Wir kommen aus der Gestaltung, sind aber kommunikationsgeübt. Wir sind keine Full-Service-Agentur, sondern ein großes Gestalterbüro mit hohem Anspruch im Bereich Kommunikation.«
Die Lust auf hohen Anspruch war schon vor 26 Jahren da, als Ramoser die lose Zusammenarbeit mit seinen Kompagnons Hermann Brändle und Sandro Scherling startete. »Natürlich traue ich mich nicht behaupten, dass ich nie etwas gemacht hätte, zu dem ich nicht gestanden wäre. Aber wir haben immer wieder Aufträge abgelehnt. Etwa von einem Gletscherbahnunternehmen, das behauptet hat, es würde nur zwei Prozent der Natur berühren – nämlich genau die Fläche, die verbaut wurde. Das ist doch ein Witz, oder?« Auch für Einkaufszentren würde Sägenvier nicht arbeiten, denn wenn es nur noch ums Verkaufen geht, hört sich der Spaß für sie ebenfalls auf. Ob das nicht ein Luxusproblem eines gut gehenden Büros sei, das sich eben leisten könne, Aufträge abzulehnen? Nicht unbedingt, das war auch schon früher so. »Qualität erhält man, wenn man manche Dinge eben nicht macht.«
Geiz ist banal
Verständlich, dass Ramoser klassische Werbung oft ziemlich banal findet und sich über Sprüche wie »Geiz ist geil« ereifern kann: »Als Konsument werde ich bemüllt mit Sachen, die mir lästig sind. Wahrscheinlich geht es den meisten Menschen so. Doch die Leute werden gescheiter und anspruchsvoller, glaub ich.« Dennoch würde »der Konsument« in vielen Fällen noch immer unterschätzt und unterfordert. Was Sägenvier macht, kommt sehr direkt an. »Bei Kommunikation geht um die möglichst geradlinige Übersetzung von dem, was man denkt und was man tut. Unternehmen sollten nicht irgendwas vorgeben, was sie nicht sind. Jeder kann sich ja im Internet informieren und vergleichen. Da fliegt ein Schwindel auf, wenn man Dinge beschönigt.«
Ehrlichkeit, Geradlinigkeit – da ist man gleich versucht, regionale Klischees über den äußersten Westen Österreichs zu strapazieren, wenn es um Sägenvier geht. Denn die zeitgenössische Vorarlberger Architektur lebt ja bekanntlich ebenso wenig vom Schnörkel wie das klassische Schweizer Grafikdesign. Doch Achtung, so regional Sägenvier verankert sind, so international werden die Projekte des Büros wahrgenommen und ausgezeichnet. Zur Trophäensammlung zählen etliche Joseph Binder Awards, der Deutsche Designpreis, einen Merrit Award beim Art Directors Club NY, ein European Design Award usw. Da hat nicht einmal der Ruf, etwas »softymäßig« (Ramoser) zu sein, geschadet, im Gegenteil. Mittlerweile klopfen sogar große Unternehmen an, die früher eher mit der verbalen Brechstange agiert haben.
Sägenvier agiert nicht immer nur dezent und subtil. Wenn es drauf ankommt, kann man sogar aktionistisch werden. Bei einer Kampagne für die Arbeiterkammer Vorarlberg zum Thema »Schulden von Jugendlichen« schickte man einen bärtigen »Schuldenfallen-Trapper« auf die Straße, in die Öffentlichkeit. Handy- und Autokosten, Telefonsex oder Kreditraten – das befördert viele Jungen ins finanzielle Abseits. Die Entscheidung für eine auffällige, durchaus lustige Art bei einem ernsten Thema hatte gute Gründe: »Wir wussten, mit herkömmlicher Werbung können wir den mächtigen Werbeimpulsen nichts entgegenhalten.« Manchmal kann sich auch etwas Unvorhergesehenes aus einer Zusammenarbeit entwickeln. Für ein neurologisches Krankenhaus hatte man zur Recherche Interviews mit Patientinnen und Patienten geführt. Die erwiesen sich als so gehaltvoll, dass schließlich eigene Geschichtenhefte daraus entstanden, die leidvolle, aber auch positive Erfahrungen schilderten.


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