» theater und performance
Die Botschaft kann nicht verlorengehen ...
von Michael Woels
Die Vermittlung des rituellen Symbolismus in afrikanischen Tänzen steht für den aus Benin stammenden Tänzer und Choreografen Koffi Kôkô im Vordergrund. Er gilt als einer der bedeutendsten Mitbegründer der modernen afrikanischen Tanzszene und ist seit zwanzig Jahren Dozent bei Impulstanz. Seit einiger Zeit arbeitet er auch an der Errichtung eines choreografischen Zentrums in Benin (Ouidah).
social widgets
In dem Solotanzstück “Die Schönheit des Teufels” teilt er sich die Bühne mit drei Musikern und einer Ahnen-Maske aus Benin. Die Maske bringt Farbe in das ansonsten von der Dualität des Schwarz-Weiß-Habitus von Koffi Kôkô geprägten Geschehen. Die Verwandlung in ein knochenweißes Wesen mit Hilfe ritueller Kreide und einem weißen Anzug erfolgt fließend, ebenso wie die Toten-Farbe durch den lebendigen Tanz allmählich wieder mit Schweiß abgewaschen wird. Die Musiker sorgen mit Gesang und Perkussion für meditative Polyrhythmik, die ihre spirituelle Trancewirkung aus den Drum-Pattern des in Benin praktizierten Voodoo-Animismus zu beziehen scheinen.
The Gap: Wie wird man Voodoo-Priester?
Koffi Kôkô: Diese Fähigkeit ist nicht angeboren. Es ist ein Weg. In bestimmten Momenten in deinem Leben musst du gewisse Entscheidungen treffen, dich auf diesen Weg begeben und kontinuierlich dir dieses Wissen erweitern. Meine Eltern hatten darauf natürlich starken Einfluss. Ich hatte eine typische Kindheit in Benin, bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen. In der Stadt gab es verschiedene Tempel, die die verschiedenen Kulte der Region repräsentierten. Das war in dem Ort sehr präsent. Jugendliche aus Familien, die die Tradition pflegen, nehmen in einem bestimmten Alter an Initiationsritualen teil. Jede Familie hat gewisse Gottheiten, die das Haus und die Familie beschützen.
Was bedeutet das Wort Voodoo genau oder ist das geheim?
Voodoo ist keine Geheimwissenschaft. Vor der Kolonisation konnte die Bevölkerung natürlich noch nicht Französisch oder Englisch und sich in diesen Sprachen ausdrücken. Nach dieser Periode der Kolonisation und des Austausches der Sprache und der französischen Administration konnte die Generation meiner Eltern langsam darüber sprechen. Es ist eine Tradition, die von den Erwachsenen an die Heranwachsenden weitergeben wird. Diese fragen nicht: Warum machen wir das? Warum machen wir das so? In meinem Alter, mit meiner persönlichen Evolution und Entwicklung und mit einer gewissen Distanz beginne ich natürlich zu fragen: Warum?
Ich hatte damals das große Glück, dass beide Großväter wichtige Priester waren. Sie waren Priester, hatten aber auch einen anderen Job. Wir zelebrieren Voodoo ja nicht jeden Tag, die Menschen müssen auch arbeiten gehen, um etwas zu Essen zu haben. Bei mir ist das ja auch so. Meine Arbeit ist die eines Regisseurs, Kurators, eines Tänzers bzw. Choreografen. Ich habe aber auch eine andere Seite in mir, nämlich die des Voodoo-Priesters und dieser spirituelle Weg wird immer weitergegangen, genauso, wie sich auch meine künstlerische Arbeit weiterentwickelt. Das sind die zwei Seiten in mir.


Kommentar abgeben mit deinem thegap.at-Account