Tapetenwechsel?
17.03.2014
» medienkultur

Das Konzentrat an Lustigkeit

von Teresa Havlicek  


Masturbation, Shades Of Grey und Referate auf Blu-ray – die Facebook-Seite der Büchereien Wien bringt die Bibliothek des 21. Jahrhunderts auf unterhaltsamste Weise in unsere Timeline.

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Dieser Artikel ist mir was wert:

Sie kann Referatsrecherche so sexy aufbereiten, dass es über 600 Mal geliket und 36 Mal geshared wird. Von solchen Zahlen und so loyalen Lesern, dass sie ihre Urlaubsgrüße auf der Facebook-Seite hinterlassen, können wir nur träumen. Die Betreuerin der Facebook-Seite der Büchereien Wien (Foto links) könnte sich in ihrem Internet-Fame baden, sie zieht es jedoch vor anonym zu bleiben und hat sich mit uns über Bibliotheken mit Fun-Faktor und 50 Shades of Grey unterhalten.

 

Die Facebook-Seite der Büchereien Wien nähert sich der 20.000er-Fanmarke. Wie wird die Belegschaft diesen Meilenstein feiern?

Ich habe die vage Vermutung, dass der Großteil der Belegschaft diesem Meilenstein eher leidenschaftslos gegenübersteht. Meine vis-à-vis sitzenden Kollegin – die unseren Facebook-Auftritt initiiert hat – und ich werden Blicke und eventuell sogar Rufe, natürlich in gedämpfter Lautstärke, wir sind schließlich in einer Bibliothek, des Triumphs austauschen. 

Auf Facebook werden immer wieder Loblieder für die amüsante Person hinter der Seite verlassen. Wie fühlt es sich an, eine der beliebtesten anonymen Personen Wiens zu sein? Wirst du deine Identität für uns Preis geben?

Das würde sich für mich wie Größenwahn im fortgeschrittenen Stadium anfühlen. Zur zweiten Frage: Ich will nicht den Eindruck allzu penetranter Koketterie erwecken – aber ehrlich gesagt lieber nicht. 

Wolltest du immer schon Social Media-Beauftragte eines städtischen Netzwerkes der Volksbildung werden?

Klar, schon im anthroposophischen Kindergarten. Die sich dort aufdrängenden Alternativen – Biobäurin, Schafwollweberin, Eurythmielehrerin – schienen mir allesamt zu frischluftlastig. 

Lesen ist ja angeblich nicht mehr so beliebt, aufgrund alternativer Unterhaltungsmöglichkeiten. Ist eine Facebook-Seite mit sehr aktiven Usern Zeichen einer Gegenbewegung, die die gute alte Literatur im Beliebtheitsranking wieder näher an das Smartphone bringt?

Glaube ich nicht, das ist wohl in erster Linie Zeichen für einen einigermaßen unterhaltsamen Facebook-Auftritt. Wir beobachten aber keineswegs, dass Lesen unbeliebter wird; alternative Unterhaltungsmöglichkeiten gab es schließlich auch in der Zeit vor Social Media. Die „digitale Revolution“ schafft das Lesen nicht ab, sie verändert lediglich unsere Lesegewohnheiten. Unterm Strich wird wohl heute sogar mehr gelesen; dabei geht es natürlich nicht nur um Literatur im engeren Sinn (bzw. Literatur in digitalisierter Form), sondern auch um originäre Formen des Online-Lesens (Internetsurfen, E-Mails, Blogs, SMS etc.). Unsere Ausleihstatistiken legen jedenfalls kein sinkendes Interesse an Literatur nahe, im Gegenteil. 

Wie viel Zeit muss eine Bibliothekarin mit Social Media verbringen? Was macht mehr Spaß, Facebook oder Bücher einschlichten?

Wahrscheinlich muss man gar keine Zeit damit verbringen – aber ich halte es für schade, auf diese (vergleichsweise günstige) Möglichkeit der Öffentlichkeitsarbeit und Kundenbindung zu verzichten. Wenn man sich für ein Social Media-Engagement entscheidet, sollte man möglichst viel Zeit damit verbringen; dabeisein ist hier definitiv nicht alles. Mir machen Facebook und Twitter mehr Spaß als Bücher einschlichten (sonst wäre ich auch etwas fehlbesetzt). Da ich schon lange keine Bücher mehr einstelle, verkläre ich es in der Erinnerung allerdings fallweise zum optimalen Morgensport. 

Fühlt man sich als Bücherei-Mitarbeiterin von E-Books bedroht?

Ich fühle mich gar nicht bedroht, im Gegenteil; Büchereien müssen eben auf neue Medien und geändertes Leseverhalten reagieren. Wir verleihen seit 2010 auch E-Books, digitale Hörbücher und Zeitschriften - die Nachfrage ist enorm, die Downloadzahlen steigen kontinuierlich. Blöd ist allerdings, dass uns die derzeitige Rechtslage (im Prinzip entscheiden die Verlage über das E-Book-Angebot der Bibliotheken) bei der Entwicklung attraktiver E-Lending-Angebote behindert. Der Büchereiverband Österreichs hat darauf mit der Infokampagne „The right to e-read. Legalize ist!“ reagiert. 

Wie oft wurde im letzten Jahr nach 50 Shades of Grey gefragt?

Wie oft danach gefragt wurde, weiß ich nicht (aufgrund des Peinlichkeitsfaktors vielleicht gar nicht so oft), ausgeliehen wurde es jedenfalls gut. Die E-Books wurden über 300mal heruntergeladen, die haptischen Exemplare 3.813mal ausgeliehen. 

Was war das meistentlehnte Buch des letzten Jahres?

Ein Kinderbuch – „Gregs Tagebuch“; auf Platz 2 „Ewig dein“ von Daniel Glattauer. 

 

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