Tapetenwechsel?
14.09.2012
» theater und performance

Brut ruft politische Saison aus

von Martin Riedl  


Eines ist das Brut im Herbst dezidiert: Politisch. Genozid-Reenactment, Julian Assange und Redefreiheit im Web 2.0 sind Themen aktueller Produktionen. Dazu kommt noch ein Budgetstreit mit dem Ministerium.

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Copyright: Hate Radio, Foto: Daniel Seiffert; Assassinate Assange, Foto: Angela Richter; Die Türen, Foto: Die Türen/Powerline Agency


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Jung ist die Brut, und wild, und auch politisch. So ziert ein verpixeltes Pamphlet mit Julian Assanges Gesicht darauf die ersten Programmflyer, daneben die Taglines „Assassinate Assange“ und „Hate“. Die neue Saison der Tanz-Theater-Performance-Spielstätte um den Karslplatz, die partout nicht bloß als „Theater“ bezeichnet werden kann, verspricht politischen Diskurs.

Dass dieser politische Diskurs im wortwörtlichen Sinne gleich nach der Programmpräsentation startete, war so jedoch wohl nicht geplant. Während das Haus über eine gekürzte Förderung vom Bundesministerium für Unterricht, Kultur und Kunst klagt, versteht man dort nicht, wie das Brut auf diese Zahlen gekommen ist.

Hate Radio und Meinungsfreiheit

Unter der Headline „Freedom of Speech“ kreisen die Produktionen von 20. September bis 22. Oktober um das Netz und neue Medien. In „Hate Radio, eine Produktion des sogenannten „International Institute of Political Murder“, ruft ein ruandischer Radiosender zum Völkermord auf. Zwischen Sportberichten und heiterer Musik werden Listen von zu Tötenden verlesen. Im blutigsten Wortsinn vermittelt das Stück, dass „auch Worte töten können“, so Haiko Pfost, einer der künstlerischen Leiter des Hauses.

Nachts im Theater

Das Brut weckt am 28. September die „Lange Performance- & Tanznacht“ unter dem Titel „Night of the bruts“  aus einem einjährigen Dornröschenschlaf. Als „Mittel zum Kennenlernen“ des Hauses für nicht ganz so Brut-affine Gäste bezeichnet es Kuratorin Bettina Kogler.

El mundo neoliberal

Freischwimmer, Gemeinschaftsfestival einiger prägender Spielstätten deutschsprachigen Off-Theaters, wird in der ersten Novemberhälfte bereits zum vierten Mal im Brut passieren. Vor dem Kontext, dass Neoliberalismus auch in der Kunst angekommen ist, will das Motto von Freischwimmer 2012 verstanden sein: „Verwerte dich“. Zwei österreichische Künstlergrupppen sind beim Festival vertreten, Studio 5 und Joonas Lahtinen. Ein weiterer Themenschwerpunkt vor Jahresende ist „Out of Order“, in dem sich Künstlergruppen mit der Konstruktion und Dekonstruktion von Sinnstrukturen beschäftigen.

Budgetkürzungen für Brut

Olivia Khalil, kaufmännische Leiterin des Hauses, ist mit den Besucherzahlen zufrieden. Die Auslastung von 87% im Vorjahr relativiert sie zwar schnell, „diese Zahl ist wie das Burgtheater schon richtig bemerkt hat nicht die aussagekräftigste Kennzahl in einem Theater“, so Khalil. Gleichzeitig weist sie aber auf 25.000 Besucher in der vergangenen Saison hin. Wichtig für das Haus sei auch die internationale Vermarktung von österreichischen Künstlern. Das würde, so Khalil, „zum einen die Sichtbarkeit erhöhen“, außerdem würde es gewährleisten, dass mehr Geld aus einer Produktion lukriert werden kann.

Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur fördert das Brut seit der Gründung 2007 pro Jahr in einer Summe von 180.000 Euro. Mitte 2012 wurde die Summe auf 152.000 Euro reduziert, heißt es vom Brut. Über die APA richtete das BMUKK dem Brut aus, dass das so nicht stimme.

Josef Galley, Pressesprecher im BMUKK kommentierte die unterschiedlichen Darstellungsweisen vergangenen Freitag folgendermaßen: Auf die Frage, was es mit den Zahlen des Brut auf sich habe: "Ich werde jetzt nicht anfangen das Brut zu interpretieren. Das wäre nicht nur selbstmörderisch, sondern dumm". Haiko Pfost vom Brut hält fest: "Die Jahresförderung ist gekürzt worden".

Die Unterschiede liegen in der Berechnung: besonders die Einbezugnahme von zusätzlichen Förderungen für internationale Austauschprogramme führt zu unterschiedlichen Zahlen bei Ministerium und Theater.

 

Hier geht es weiter zum Interview mit Haiko Pfost, künstlerischer Leiter des Brut.

 

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