Tapetenwechsel?
18.04.2012
» buch

Wenn das Schlachten vorbei ist

von Juliane Fischer  


Der amerikanische Erfolgsautor T.C. Boyle beehrt am 2. Mai den Wiener Rabenhof. Im Interview mit Juliane Fischer spricht er über seinen neuen Schmöker und den Kampf zwischen Natur und Mensch. Das reicht von der Marihuanafarm bis zum Tierschutz und beruht natürlich oft auf einer wahren Begebenheit.

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Dieser Artikel ist mir was wert:

Ihr neuer Roman wirft einen negativ apokalyptischen Blick auf die Zukunft unserer Umwelt; zugleich schreiben Sie sehr realitätsnah. Was glauben Sie sind spezifische Auswirkungen des Klimawandels auf Kalifornien und versuchen Sie speziell Naturkatastrophen hervor zu streichen, wenn Sie über die Zukunft schreiben? Was wäre in diesem Fall ihre Hauptwarnung?

Ich bin es nicht gewohnt jemanden zu warnen. Ich bin ein Schriftsteller und engagiert in den unterschiedlichsten Gebieten, die mich interessieren. Dass sich ein Großteil meiner Bücher um die Beziehung zwischen dem Mensch und der Umwelt dreht, liegt daran, dass diese Themen für mich am lebendigsten wirken. Im Jahr 2000 habe ich “A Friend of the Earth“ (deutscher Titel: „Ein Freund der Erde“), ein Buch über die globale Erwärmung und Projekte in den nächsten 25 Jahren geschrieben um abzuschätzen was die Effekte um 2025 sein werden.  Nun befürchte ich, dass ich mit der Einschätzung von 25 Jahren zu optimistisch war: Wir leben jetzt schon der meteorologischen Chaoszeit, wie sie das Buch beschreibt. Mein aktuelles Werk “When the Killing is over” (deutscher Titel: „Wenn das Schlachten vorbei ist“) beschäftigt sich mit einem weiteren ökologischen Thema – dem Umgang mit den anderen Lebewesen der Erde. Was Ihre Frage speziell auf Kalifornien bezieht: Schwer zu sagen, sicherlich werden die Küstengebiete zunehmend bedroht sein. Wir haben mittlerweile schon Zeichen, die vor der Tsunami-Zone entlang des Hafengebiets von Santa Barbara warnen.

Die Recherche zu “Wenn das Schlachten vorbei ist” stelle ich mir ziemlich abenteuerlich und spannend vor. Wie haben Sie das erlebt?

Dieses Buch spielt sich auf zwei der Kanalinseln an der Zentralküste Kaliforniens ab: Anacapa und Santa Cruz. Beide sind Teil des Channel-Island-Nationalparks, und die am wenigsten häufig besucht werden, da es so schwierig ist hinzugelangen; man muss mit dem Boot hinfahren. Und ja, die Recherche war abenteuerlich. Ich habe viel Zeit damit verbracht, diese wilden Plätze zu erkunden. Das habe ich gemeinsam mti den Biologen unternommen, die die seltenen Pflanzen- und Tierarten untersuchen, die es auf diesen Inseln, die man auch “die Galapagos Nordamerikas” nennt, gibt. Das Beste war es mit Rachel Wolstencroft unterwegs zu sein: Sie war zuständig für die Beobachtung der Füchse auf der Santa Cruz Insel, das sind Zwergfüchse so klein wie unsere Hauskatzen. Das erforderte, um 5 aufzustehen, sich dem Marinekorps anzuschließen, das bergige Gelände rauf und runter, sich durch Schluchten, die nicht breiter sind als deine Schultern, zu schlingen, munter und lebendig auf Erden. Tatsächlich sehr spannend also.

Es ist ein weiter Weg von den College-Hobbygärtnern in "Budding Prospects" zu "When the Killing is done". Was hat sich in diesen 30 Jahren verändert - und wie wirkte sich das auf den Autor aus?

Den Vergleich zwischen diesen beiden Büchern mag ich sehr. Ersteres ist eine Comicnovelle über eine gescheiterte Marihuanafarm in Nordkalifornien, das zweite Werk ist eine dramatische Geschichte darüber wie wir Tiere behandeln. Thema ist auch der Kampf um Land und Ressourcen unseres Planeten. Beide beinhalten –obwohl in ihrer Art so unterschiedlich – den Bezug zur Natur. Wir erinnern uns, dass es die Natur selbst ist – angefangen bei Bären bis hin zu brutalem Wetter und schlechten Bedingungen – die sich verteidigt gegen die ratlosen Marihuanagärtner in “Budding Prospects” (deutscher Titel: “Grün ist die Hoffnung”).

Ich habe gelesen, dass Sie vor ein paar Jahren über Philip Roth sagten, er würde leben wie ein Mönch, sie könnten sich ihre Zukunft auch so vorstellen. Wie würden Sie ihren Lebenstil jetzt beschreiben?

 

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