Tapetenwechsel?
100 österreicherinnen mit besonderer zukunft

Manche nennen sie High Potentials. Wir sehen in ihnen: aktive Menschen, denen es zuzutrauen ist, dass sie ihr und unser Umfeld, Österreich und unsere Welt in den nächsten Jahren entscheidend mitgestalten werden.

<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#arthureinoeder">Arthur Einöder</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#ashwiensankholkar">Ashwien Sankholkar</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#barbarablaha">Barbara Blaha</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#corinnamilborn">Corinna Milborn</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#evaweissenberger">Eva Weissenberger</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#faridhafez">Farid Hafez</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#florianklenk">Florian Klenk</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#georgholzer">Georg Holzer</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#hanneseder">Hannes Eder</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#haraldkatzmair">Harald Katzmair </a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#herbertrosenstingl">Herbert Rosenstingl</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#hildegardaichberger">Hildegard Aichberger</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#inousimon">Simon Inou</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#juergenwutzlhofer">Jürgen Wutzlhofer</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#karimsaad">Karim Saad </a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#martinfuchs">Martin Fuchs</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#martinschenk">Martin Schenk</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#maxkossatz">Max Kossatz</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#milotesselaar">Milo Tesselaar</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#nikifellner">Niki Fellner</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#nikoalm">Niko Alm</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#nikolauspelinka">Nikolaus Pelinka</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#paulstepan">Paul Stepan</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#philippmaderthaner">Philipp Maderthaner </a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#rosalyon">Rosa Lyon</a>
<a href="100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/#stephanbazalka">Stephan Bazalka</a>


Arthur Einöder26, Journalist und FM4 - Nachwuchshoffnung

Text: Thomas Weber
Bild: Johannes Rigal

Text: Thomas Weber
Bild: Johannes Rigal

„Meistens fühl ich mich, als hätt ich einen 24-Stunden-Job. Oder 24 Stunden Freizeit – je nachdem“. Zwischen beruflich und privat gibt es – derzeit – im Leben von Arthur Einöder keine Unterscheidung. Konzerte, darüber schreiben, Radiomachen, feiern, Partys organisieren, leben. Soweit, so typisch für einen jüngeren FM4-Redakteur. Nur: der Wiener schreibt wirklich ziemlich gut (nachzulesen etwa im wochenendlichen Lebenshilfeblog „Something for the weekend“ auf fm4.orf.at/arthureinoeder), ist sehr lebenshungrig und bei FM4 seit Kurzem für die tagesaktuelle Progammgestaltung zuständig – und damit einer der wenigen wirklich jungen „Chefs“ beim sonst bereits leicht ergrauten Jugendkulturradio.

 

Ashwien Sankholkar33, Aufdecker und Journalist

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Lucia Bartl

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Lucia Bartl

Er gehört zu den hartnäckigsten und gleichzeitig seriösesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs. Ashwien Sankholkar, der außerdem zu den ersten investigativen Journalisten dieses Landes zählt, sorgt in der heimischen Wirtschaftsbranche regelmäßig für Aufregung. Mit seinem guten Riecher für faule Geschäfte hat er bereits einige Manager und Wirtschaftstreibende ins Schwitzen gebracht, als sie ihren Namen, verstrickt in brisante Affären, im Wochenmagazin /Format/ wieder fanden.

 

Barbara Blaha26, Linke Nachdenkerin und Ex - SPÖ - Mitglied

Text: Thomas Weber
Bild: Florian Auer

Text: Thomas Weber
Bild: Florian Auer

Als ÖH-Chefin hatte Barbara Blaha oft schlicht keine Zeit, in Vorlesungen zu sitzen. Spät aber doch schließt sie dieser Tage ihr Germanistikstudium ab. Auffällig wurde die fundierte Sachpolitikerin als sie aus Protest gegen die zuvor versprochene Nicht-Abschaffung der Studiengebühren durch „ihren“ Kanzler Gusenbauer aus der SPÖ austrat. Wieder beigetreten ist sie nicht. Dafür organisiert sie nun den parteiübergreifenden linken Nachdenk-Kongress „Momentum“ (www.momentum09.org), sitzt für die Sozialdemokraten im ORF-Publikums- und Stiftungsrat. Und schreibt an einem Buch über die Inszenierung weiblicher Politiker. Erscheinen wird es im feinen Czernin Verlag, für den Blaha auch organisatorisch tätig ist.

 

Corinna Milborn37, Journalistin und Buchautorin

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Heidi Michel-Debor

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Heidi Michel-Debor

Hinter Corinna Milborn, Politik-Journalistin aus Leidenschaft, verbirgt sich mehr, als man aus ihrer Arbeit für das Nachrichtenmagazin /Format/ vordergründig zu erkennen vermag. Neben ihrer Journalistenkarriere setzt sie sich ganz besonders für die Menschenrechte ein, ist seit 14 Jahren Beobachterin in Guatemala sowie Chefredakteurin des Menschenrechtsmagazins /liga/. Mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für ihr Buch „Gestürmte Festung Europa“ hat sie sich mittlerweile auch einen Rang als profunde Sachbuchautorin gesichert, den sie kürzlich mit ihrer aktuellen Veröffentlichung „Ware Frau“ neuerlich unter Beweis stellen konnte.

 

Eva Weissenberger37, Polit - Journalistin mit TV - Gespür

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Corn

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Corn

Seit mehr als zehn Jahren ist die Wienerin Eva Weissenberger aus der politischen Berichterstattung dieses Landes nicht wegzudenken. Anfangs bei Die Presse, dann beim Falter und beim ORF widmet sie sich der österreichischen Politwelt derzeit für die Kleine Zeitung. Für ihr journalistisches Gespür erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem die „Ambassador Milton Wolf Fellowship“ der Duke University of North Carolina. Zuletzt verfasste die längst auch als ORF-Interviewerin routinierte Journalistin gemeinsam mit Datum-Herausgeber Klaus Stimeder den Band „Trotzdem“, eine Biographie über den Medien-Gründer Oscar Bronner.

 

Farid Hafez28, Islam - Wissenschaftler

Text: Werner Schröttner

Text: Werner Schröttner

Farid Hafez ist gerade dabei, dem Wiener SPÖ-Abgeordneten Omar Al Rawi den Platz als Islam-Experte in ORF-Interviews streitig zu machen. Der 28-jährige, gebürtige Oberösterreicher (Ried im Innkreis) ist nicht nur Mitbegründer der Muslimischen Jugend Österreichs, sondern auch promovierter Politikwissenschaftler und angehender Doktor der Islamwissenschaft. Seine wissenschaftliche Karriere treibt er derzeit als Forschungsmitarbeiter am Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht und als Lehrbeauftragter am Institut für Orientalistik an der Uni Wien voran. Seine Forschungsschwerpunkte sind momentan: Islamophobie (speziell im Kontext politischer Parteien in Österreich), muslimische Organisationen und die Rolle der Islamischen Glaubensgemeinschaft im politischen System Österreichs. Dazu passend hat er erst kürzlich, gemeinsam mit dem Nahost-Experten John Bunzl, den interdisziplinären Sammelband „Islamophobie in Österreich“ herausgegeben. Als persönliches Anliegen gibt Hafez in seinem Lebenslauf an, „den öffentlichen Diskurs über den Islam und die MuslimInnen in der Öffentlichkeit“ mitprägen zu wollen. Durch seine Publikationen, Vorträge und Experten-Interviews ist er am besten Weg dorthin. Noch dazu dürfte sich der bereits langsam anlaufende Wahlkampf zur Wiener Landtagswahl 2010 zu einem Musterbeispiel für den Forschungsschwerpunkt Islamophobie im Kontext politischer Parteien entwickeln.

www.faridhafez.com

 

Florian Klenk36, investigativer Journalist

Text: Thomas Weber
Bild: Veronika Hofinger

Text: Thomas Weber
Bild: Veronika Hofinger

Er ist einer der letzten seiner Art und doch einer der jüngsten leitenden Journalisten des Landes. Seit 2007 ist Florian Klenk, studierter Jurist und mehrfach ausgezeichneter Aufdecker mit breitem Informanten-Netzwerk, Chefredakteur des Falter. Das Blatt – eigentlich eine Stadtzeitung – ist spätestens unter ihm zur wichtigsten politischen Wochenzeitung geworden. Absurd einzig, dass Klenk seine lesenswerten Texte unter www.florianklenk.com publiziert, sein Medium im Netz aber nachgerade reaktionär agiert. Papier türmt sich jedenfalls auch auf seinem Schreibtisch. Klenk denkt deshalb daran, ein Buch über Korruption in Österreich zu verfassen.

 

Georg Holzer35, Technik - Journalist und Blogger

Text: Johanna Stögmüller
Bild: Wagner/Georg Holzer

Text: Johanna Stögmüller
Bild: Wagner/Georg Holzer

Dass Netzkultur die Grenzen des Geek-Universums  gesprengt und längst an breiter gesellschaftspolitischer Relevanz gewonnen hat, heißt für Georg Holzer: mehr Arbeit. Mit Vergnügen. Der 35-jährige Journalist ist Blogger der ersten Stunde und informiert und kommentiert in verschiedenen Medien (Kleine Zeitung, Heise Online u.a.) zu den Themen Technik, Web und Netzkultur. 2006 wurde Georg Holzer mit dem „New Media Journalism Award“ ausgezeichnet. Georg hat 1.447 Followers auf Twitter und 968 Freunde auf Facebook.

www.georgholzer.at

 

Hannes Eder42, Musik - Vermarkter

Text: Thomas Weber
Bild: Ingo Pertramer

Text: Thomas Weber
Bild: Ingo Pertramer

Etablierter geht es kaum. Dennoch darf man davon ausgehen, dass der Horizont des Chefs von Universal Music Austria and Western Balcans und ehrenamtlichen Präsidenten des Verbands der hiesigen Musikwirtschaft auch karrieretechnisch ein weiter ist. Kompetent, telegen und bestens vernetzt in Werbung, Medien, Politik. All das macht den Niederösterreicher mit langer Vergangenheit in der Radio-Vermarktung (Ö3, FM4) etwa zu einem Kandidaten für neu zu vergebende ORF-Posten. Seine Vergangenheit als überparteilicher ORF-Betriebsrat ist dabei sicher kein Schaden – und dass man am Küniglberg bald Köpfe mit Weitblick braucht, kein Geheimnis.

 

Harald Katzmair 40, Netzwerk - Analytiker

Text: Thomas Weber
Bild: Privat

Text: Thomas Weber
Bild: Privat

Macht definiert er als Matrix aus Möglichkeiten. Für seine Disziplin, die angewandte Netzwerkforschung, heißt das grob verkürzt in etwa: Je besser vernetzt, desto mehr Möglichkeiten, desto mächtiger. Diesem Thema widmete sich der studierte Philosoph und Soziologe bereits lange bevor alle Welt digital verwoben und „Social Networks“ in aller Munde waren. Das von ihm gegründete und geführte Unternehmen FAS.research wirkt unter dem Motto „Understanding Networks” längst nicht nur in Wien, sondern auch in New York City. Und dass die in einem Atemzug genannten Vorhaben wie die „Weiterentwicklung der FAS.research als weltweit führendes Consulting-Unternehmen in der Analyse und strategischen Interpretation von Einfluss- und Machtnetzwerken für Marketing, Sales, Campaigning, Lobbying & Public Affairs“ und „ein bisschen weniger arbeiten und nicht so oft im Flugzeug sitzen“ sich gegenseitig ausschließen, ist dem 40-Jährigen wohl selbst auch bewusst. Zusätzliche hehre Ziele verfolgt er nebenher durch die Mitarbeit am Aufbau eines neuartigen, politisch unabhängigen Think-Tanks im Kontext wirtschaftspolitischer, energie- und gesellschaftspolitischer Fragestellungen. Vielleicht findet sich dennoch Zeit, irgendwann auch das angedachte Buch „Networks, Power & Exhaustion“ wirklich ins Notebook zu hacken.

 

Herbert Rosenstingl40, Medienpädagoge und Beamter

Text: Martin Mühl

Text: Martin Mühl

Seit vielen Jahren ist Herbert Rosenstingl äußerst engagiert darum bemüht, die Diskussionen über Computer- und Videospiele ausgewogen und reich an Inhalt zu führen. Als Leiter der Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen (www.bupp.at) arbeitet er daran, nicht nur Eltern über die positiven Seiten von Games zu informieren. Im Herbst erscheint „Schauplatz Computerspiele“, sein zweites Buch gemeinsam mit Konstantin Mitgutsch. Wer auch immer eine Frage zu Games hat und die sachlich und verständlich beantwortet haben will: Herbert Rosenstingl ist der perfekte Ansprechpartner.

 

Hildegard Aichberger37, NGO - Managerin und Umwelt - Aktivistin

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Aleksandra Pawloff

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Aleksandra Pawloff

Durch Hildegard Aichbergers Lebenslauf zieht sich kein roter, sondern ein durchwegs grüner Faden. Dass die 37-Jährige dennoch Generalistin durch und durch ist, wie sie selbst erklärt, zeigen die unterschiedlichen Stationen ihres Lebens. Von TU über WU und BOKU, mit Abstechern zu belgischen und schottischen Universitäten, fand sie ihren Weg zurück nach Österreich. Egal ob für McDonald‘s, IFA Tulln oder die Inerta Abfallbehandlungsgesellschaft, im Sinne der Natur hat sie überall gehandelt, sei es als Umweltberaterin, Abfallbeauftragte oder Altlastensaniererin. Dass sie aber nicht für die grüne Sache sehr nützlich ist, sondern es auch so richtig krachen lassen kann, das sollte spätestens beim Betrachten ihres Befähigungsnachweises zur Ausführung allgemeiner Sprengungen klar werden. Ihr Wunsch und Anspruch war immer schon, sich beruflich und privat für Sachen einzusetzen, die ihr wirklich am Herzen liegen. Seit 2005 hat sie nun ihr größtes Anliegen, den Umweltschutz, endgültig zum Beruf erkoren und die Geschäftsführung des WWF übernommen. Die wichtigsten Aufgaben für die Zukunft sieht sie dabei in den sich zuspitzenden Themen Energie(knappheit), Klimawandel und den Kampf um Ressourcen. Motivation für all diese Ziele ist, „dass ich mit den hervorragenden Qualitäten des WWF Anliegen vertrete, hinter denen ich hundertprozentig stehe“, so Hildegard Aichberger über ihren Job. Eine gesunde Einstellung, wie wir finden und beste Grundlage, um ihre Umweltinteressen auch ohne Sprengkraft umzusetzen.

 

Simon Inou37, Journalist und Entwicklungshelfer in Österreich

Text: Thomas Weber
Bild: Lucia Bartl

Text: Thomas Weber
Bild: Lucia Bartl

Er kam 1995 nach Österreich. Soziologie hatte der damals 23-Jährige schon in Kamerun studiert, in Wien belegte er Publizistik – und betätigte sich fortan als eine Art Entwicklungshelfer gegen die Engstirnigkeit der Eingeborenen. Zuerst noch als Chefredakteur von www.afrikanet.info (dem ersten Info-Portal über Menschen afrikanischer Herkunft und ihre deutschsprachige Diaspora) war er von der Community für die Community aktiv, sorgte aber bald auch darüber hinaus für Aufsehen. Mit Beatrice Achaleke initiierte er die Kommunikationskampagne „Black Austria: Zum Abbau von Vorurteilen gegenüber in Österreich lebenden Schwarzen“. 2008 gründete er die Wiener Migrationsmedienmesse, die im zweiten Bestandsjahr bereits 1.300 Besucher in die Wiener Akademie der Bildenden Künste lockte. Ebenfalls 2008 wurde das von Simon Inou gestartete Projekt M-Media vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur ausgezeichnet: M-Media vermittelt Migranten an Mainstream-Medien und verschafft ihnen und ihren Anliegen dort eine qualifizierte Stimme auf Augenhöhe. Nachzulesen auf der wöchentlichen Integrationsseite der Tageszeitung /Die Presse/ – www.diepresse.com/integration. Das Ziel dieser Serie ist durchaus deckungsgleich mit Simon Inous persönlichem Antrieb: „Die mediale Darstellung von Migranten jenseits von Kriminalität und Opfertum umfassend besetzen.“

 

Jürgen Wutzlhofer32, Soziologe und Stadtpolitiker

Text: Martin Mühl

Text: Martin Mühl

Es sei gesagt: Jürgen Wutzlhofer hat die heute seltene Laufbahn vom Schulsprecher in der Steiermark zum Wiener SPÖ-Gemeinderat durchlaufen. Geboren im Burgenland, ist der studierte Soziologe heute begeisterter Penzinger. Neben seinem Job als Politiker forscht er bei FAS.research – doch auch politisch lassen sich seine Projekte in diesem Zusammenhang sehen: Okto, Game City, Wahlalter-Senkung oder der Aufbau einer roten Community im Netz. Pragmatisch, unzynisch und stark inhaltlich orientiert holt er sich dabei schon mal Inspiration bei der Arbeitsweise amerikanischer Freikirchen.

 

Karim Saad 24, Magazingründer, Medienmanager und Aktivist

Text: Thomas Weber

Text: Thomas Weber

Sein Blog zitiert an prominenter Stelle Bruno Kreisky: „Weiterreden mit jenen, gegen die man ist – eines Tages kann daraus überraschend Gutes kommen.“ Da Karim Saad nicht nur Gründer des lesenswerten Dialog-Zines www.kismetonline.at ist, sondern auch Mitgründer und Medienbeauftragter des Dokumentationsarchivs Islamophobie (www.dai.or.at), ist klar, wem der studierte Medienmanager (FH St. Pölten), langjährige Studentenvertreter und Dissertant an der Uni Wien den Diskurs nicht verweigert: rechten Populisten und ihrer Klientel, die sich vor demografischen und historischen Realitäten fürchten. Saads erste Publikation widmet sich dementsprechend kritisch der medial transportierten Angst vor dem Islam – konkret abgehandelt am Beispiel der Tageszeitung Die Presse. Als Gründer des Netzwerks CEDAR (European Muslim Professional Network) weiß er auch genügend diskursbereite Mitstreiter um sich zu scharen.

 

Martin Fuchs30, Foto - Journalist

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Martin Fuchs

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Martin Fuchs

Martin Fuchs ist mit seinen 30 Jahren bereits dort angelangt, wovon die meisten Fotografen ein Leben lang nur träumen dürfen: Er hat es in die wohl renommierteste Fotoagentur der Welt, Magnum Photos, geschafft. Seit 2005 lebt er in New York und liefert von dort regelmäßig Material auch an heimische Medien wie /Falter/, /Format/, oder /Der Standard/. Beachtlich ist auch sein Langzeitprojekt „Co-Op City Mon Amour“, wofür er bereits seit mehreren Jahren die Entwicklung der Wohlfahrtstadt „Co-Op City“ in New York fotografisch dokumentiert. 

 

Martin Schenk39, Sozialexperte

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Flo Auer

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Flo Auer

Menschenrechte, Gesundheit und Wohlfahrtspolitik sind sein Material, der Diskurs sein Werkzeug. Auf diesem Wege versucht Martin Schenk seinem Umfeld ein Stück weit die Augen zu öffnen. Als Mitbegründer des Netzwerkes „Die Armutskonferenz“ und freier Mitarbeiter des /Augustin/ engagiert er sich für diejenigen, die nicht vom sozialen Netz aufgefangen wurden. Aber auch für Schwerstbehinderte, Obdachlose und Flüchtlinge setzt sich der 39-Jährige ein und macht mit Initiativen wie „Lichtermeer“, dem „Wiener Spendenparlament“ und „Sichtbar werden“ auf die da am unteren Ende des sozialen Gefälles aufmerksam.

 

Max Kossatz39, Programmierer und politisch aktiver Blogger

Text: Werner Schröttner
Bild: Max Kossatz

Text: Werner Schröttner
Bild: Max Kossatz

Ende der 80er sorgte Max Kossatz mit ersten Medienkunstprojekten noch für Unverständnis. Mittlerweile ist der Programmierer u.a. auch Unternehmensberater und gehört zur Gruppe der Initiatoren der basisdemokratisch in Wien über das Netz abgehaltenen Grünen Vorwahlen. Unter /www.UrlaubMitFreunden.at/ sammelte er mit Gleichgesinnten vorerst 870 Unterstützungserklärungen von Menschen, die sich bereit erklärten, zumindest eine Urlaubsnacht in jener Kärntner Gemeinde zu verbringen, die ein Asylzentrum eröffnen soll. Mit den Wiener Grünen will er – nachdem er von diesen als Unterstützer abgelehnt wurde – heute übrigens nichts mehr zu tun haben. Sein Blog trägt den programmatischen Titel www.wissenbelastet.com

 

Milo Tesselaar27, Nachhaltigkeits - Netzwerker

Text: Johanna Stögmüller

Text: Johanna Stögmüller

Lifestyle of Health and Sustainability (LOHAS) – diesem schwammig herumdümpelnden Begriff verhilft Milo Tesselaar zu Substanz. Als Herausgeber von „Biorama – Magazin für nachhaltigen Lifestyle“ beschäftigt sich der aus Graz stammende Wahlwiener nicht nur mit der Entwicklung von nachhaltigen, grünen (Medien-)Konzepten, sondern ist auch ein aktiver Netzwerker im Kultur- und Kreativbereich. „Make People, ideas and information come together“ – unter diesem Leitsatz werden innovative Ideen ausgedacht und umgesetzt.

 

Niki Fellner24, Medienmacher und Dynastie - Erbe

Text: Werner Schröttner
Bild: Österreich/oe24

Text: Werner Schröttner
Bild: Österreich/oe24

Es ist sicher nicht der leichteste Job, sich in Familienunternehmen durchzusetzen und in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Vor allem dann nicht, wenn diese Wolfgang und Uschi Fellner heißen. Der 24-jährige Niki Fellner scheint das aber mit Bravour zu meistern.


Schon 2007 waren Kenner des Hauses Österreich gegenüber medium – Magazin für Journalisten voller Lob für den ältesten Fellner-Spross: „Er ist ein Ausnahmetalent. Er hat das journalistische Gen des Vaters und noch dazu die soziale Kompetenz der Mutter.“ Die Lobeshymnen haben sich in den letzten Jahren sogar noch verstärkt. Selbst Vater Wolfgang schwärmt in Harald Fidlers neuem Buch „Österreichs manischer Medienmacher. Die Welt des Wolfgang Fellner“ von seinem Filius: „Was ich so sehe, ist er deutlich besser als ich, weil er besondere Talente hat. Er ist mit 24 sicher weiter, als ich in diesem Alter war.“ Auch der langjährige WoFe-Wegbegleiter Werner Schima zeigt sich gegenüber Fidler beeindruckt: „Ich bin verblüfft, wie viel der schon kann. Das muss in den Genen liegen.“

Kumpelhafter Typ
Hört man sich im „Österreich“-Newsroom um, so scheint man Niki Fellner auch dort hoch zu schätzen. Aber nicht nur wegen journalistischem und Marketing-Gespür, sondern vor allem wegen seiner sozialen Kompetenz und seinen Umgangsformen, die sich doch deutlich vom schon mal aufbrausenden Vater unterscheiden. Im erst kürzlich erschienenen Falter-Porträt mit dem Titel „Der Kronprinz von ‚Österreich’“ wird er von Kollegen als freundlicher, kumpelhafter Typ beschrieben. Niki Fellner fand gleich nach Abschluss seines Betriebswirtschaftsstudiums in St. Gallen den Weg in den Familienbetrieb. Seine Bachelor-Arbeit „Chancen und Gefahren der Neugründung einer Tageszeitung in Österreich im Internetzeitalter“ kann durchaus als Case-Study gesehen werden. Die erste Aufgabe des fußballbegeisterten Fellner-Sohnes: Geschäftsführer für WM Live. Das tägliche Blatt zur Fußball-WM galt als Probelauf für „Österreich“. Bei der Tageszeitung übernimmt Niki Fellner schließlich die Koordination der Bundesländer-Ausgaben. Eingesetzt wird er dabei in Redaktion und Marketing.

Dynastie Fellner II
Mit money.at, einer täglichen „Österreich“-Wirtschaftsbeilage und der dazugehörigen Online-Plattform, stampfte er erst kürzlich sein erstes eigenes Medium aus dem Boden. 2,5 Millionen Euro soll er sich dafür mit Staatshaftung von der Erste Bank geliehen haben. Er dementiert sowohl Höhe als auch Staatshaftung. Wie er dem Falter verriet, möchte er in zehn Jahren „Österreich“ als die größte Tageszeitung des Landes gemeinsam mit seiner Schwester Jenny führen. Er ist offenbar auf gutem Weg dorthin.

 

Niko Alm34, Atheist und Mikromischkonzern - Mastermind

Text: Dieter Rappold
Bild: Karola Riegler

Text: Dieter Rappold
Bild: Karola Riegler

Er trägt ein Herzstück des österreichischen Tourismus im Namen, aber das ist nicht der Grund warum es bei Niko Alm keine Sünden gibt. Niko Alm ist Sprecher der Laizismus-Initiative, will endlich Staat und Religion trennen und duelliert sich intellektuell inspirierend mit Andreas Kohl im Online-Standard. Was andere als Hauptaufgabe sehen würden, sieht der unternehmerische Tausendsassa Alm als Freizeitbeschäftigung. Nicht umsonst wurde das Alm’sche Imperium rund um den Verlag Monopol und die Agentur Super-Fi keck als Mikromischkonzern betitelt, wobei das Mikro getrost als Untertreibung zu werten ist. Kaum ein spannendes Thema im weitesten Umfeld von Medien wird ausgelassen und mittels Unternehmensgründung besetzt. Dabei lässt Alm jedoch niemals Ernsthaftigkeit, Nachhaltigkeit und Zug zum Tor vermissen. Einst in einem Interview auf das Geheimnis seines Erfolges angesprochen meinte er: „die eigene Sache mit Nachdruck verfolgen, das heißt arbeiten!“ Dabei wirkt der ausgebildete Publizist und Multi-Unternehmer jedoch niemals verkrampft sondern immer locker und lässig. All das Erwähnte wurde in seinen knapp 34 Lebensjahren auf die Beine gestellt. Niko Alm ist somit einer jener Prototypen einer jungen Unternehmergeneration, die sich als einen gestaltenden Teil einer lebendigen Zivilgesellschaft begreifen. Ihr Tun und Handeln endet nicht mit der G+V einer GmbH, sondern füllt auch das Vakuum, das uns eine immer weniger relevante Politik im Alltag hinterlässt. Menschen wie Niko Alm verlassen Österreich im Normalfall früh, um sich in unternehmerfreundlicheren Gefilden zu verwirklichen – in seinem Fall bleibt zu hoffen, dass sein Wirken Österreich in wirtschaftlicher sowie in gesellschaftlicher Dimension auch in Zukunft bereichern und prägen wird.

www.alm.at

 

Nikolaus Pelinka23, Politiksprecher

Text: Andreas P. Jagersberger

Text: Andreas P. Jagersberger

Nikolaus Pelinka hat es in seinen vergleichsweise  jungen Jahren bereits weit geschafft. Obwohl er erst vor einigen Wochen sein Studium beendet hat, ist er bereits Pressesprecher des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur und somit die öffentliche Stimme von Ministerin Schmied. Zu seinen selbst erklärten Plänen zählt es, an der Seite seiner Chefin für eine zukunftsorientierte Bildungs- und Kulturpolitik zu kämpfen, aber auch „irgendwann einmal etwas anderes als Pressesprecherei ausprobieren“, so Pelinka. Das wird dann wohl die Politik selbst sein.

 

Paul Stepan35, Wirtschaftsforscher

Text: Martin Mühl
Bild: www.katsey.org

Text: Martin Mühl
Bild: www.katsey.org

Cultural Economics, Economics of Creative Industries, Economics of Intellectual Property, Neue Formen digitaler Distribution: Mit diesen Schlagworten umschreibt Paul Stepan seine Hauptforschungs- und Publikationsthemen. Nach einigen Jahren an der Erasmus-Universität in Rotterdam ist der studierte Ökonom zurück in Österreich und betreibt gemeinsam mit Elisabeth Mayerhofer und Monika Mokre die Forschungsgesellschaft für Kulturökonomische und Kulturpolitische Studien (FOKUS; www.fokus.or.at). Kreative (und wir) tun gut daran, seine Arbeit zu verfolgen und sich durch diese immer wieder neu beraten zu lassen.

 

Philipp Maderthaner 27, Polit - Vermarkter und Kampagnisierer

Text: Thomas Weber
Bild: Jakob Glaser

Text: Thomas Weber
Bild: Jakob Glaser

„Meine Vorbilder sind nicht Politiker, sondern deren Kampagnenmacher. Etwa David Plouffe, Wahlkampfmanager von Barack Obama, der ohne Zweifel die beste Kampagne der Welt organisiert hat.” So abgedroschen es scheinen mag, sich dieser Tage auf Obamas Mobilisierungskraft zu berufen – Philipp Maderthaner hat bereits wiederholt bewiesen, dass er im Stande ist, die Massen zu bewegen. Auch mit überraschenden Details. Obama als Action-Puppe hat der Niederösterreicher gewissermaßen vorweggenommen. 2003 wurden in den Dorfdiscos von Amstetten bis Zwettl „Lowlander“ verteilt: Erwin Pröll als Power-Ranger mit aufgekrempelten Hemdsärmeln. Natürlich bewusst verknappt, denn das steigert die Nachfrage und machte das trashige PVC-Männchen bei der Landjugend zum /object of desire/. Als er dem niederösterreichischen Landeshauptmann vor dessen Wiederwahl 2008 dann vorschlug, im Wahlkampf „Landesfrisur-Perücken mit Glatze“ zu verschenken, habe sich dieser halb totgelacht. „Und dann haben wir das einfach gemacht.“ Der Gag kam nicht nur gut an, sondern fand auch Platz in den Medien des Landes.

Ende 2008 wechselte der gelernte Hotelmanager und studierte Betriebswirt (Schwerpunkt Industrielles Management) dann – von Onkel Erwins Neffen Josef Pröll nach Wien berufen – nahtlos von Sankt Pölten in die Bundeszentrale der Volkspartei. Dort steht er als Kommunikationschef und Teil des Strategieteams um den Finanzminister insgesamt 28 Mitarbeitern vor. Sein mittelfristiges Ziel? „2013 Josef Pröll ins Kanzleramt – wäre das nicht mein Ziel, würde ich auf der Stelle meine Sachen packen. Mein langfristiges Ziel: Jedenfalls nochmal raus aus Österreich und frische Inspiration und Ideen holen. Und dann als Unternehmer zurück.“

 

Rosa Lyon30, Radio - Journalistin

Text: Thomas Weber
Bild: Johannes Cizek

Text: Thomas Weber
Bild: Johannes Cizek

Ihren Namen schreibt man zwar wie die Stadt in Frankreich, man spricht ihn aber wie den Löwen auf Englisch aus. Man wird ihn sich jedenfalls merken müssen. Rosa Lyon, geborene Grazerin und studierte Ökonomin, gehört zum hoffnungsträchtigsten Journalistennachwuchs des Landes. Ihre Beiträge für Ö1 sind fundiert, ihre ersten großen Radiogespräche stehen denen eines Peter Huemer in nichts nach. Lyons Talent ist es, Wirtschaft und gesellschaftspolitische Zusammenhänge nachvollziehbar zu machen. Mittelfristiges Ziel: Sich bei der US-Comedy „Daily Show“ von Jon Stewart, der mit seinen satirischen „fake news“ das echte Nachrichten-Showbusiness reflektiert, Inspiration holen. Das Zeug, Österreich zu verlassen, hätte sie. Als Tochter eines Grazers und einer New Yorkerin ist sie zweisprachig aufgewachsen.

 

Stephan Bazalka26, Katholischer Reformer

Text: Thomas Weber

Text: Thomas Weber

Er sieht sich als Gottes Dienstleister. Gleichaltrige forderte er deshalb in der Kampagne „trotz speiben bleiben“ auf, nicht aus der katholischen Kirche auszutreten. Nun hat Stephan Bazalka – gerade als Medieninformatikstudent auf Erasmus-Aufenthalt in Finnland – die Leitung der Jugendgottesdienst-Reihe „Find Fight Follow“ (www.findfightfollow.at) an Jüngere übergeben. Seit April ist er ehrenamtlicher Vorsitzender der Katholischen Jugend – im Brotberuf derzeit karenzierter Usability-Experte des E-Shops der Bundesbeschaffungsgesellschaft (über den zentral die Einkäufe der Ministerien, Länder, Gemeinden abgewickelt werden). Sein gar nicht so missionarisches Credo für die katholische Community: „Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!”

 
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