Magazinmacherei ist ein undankbares Geschäft. Drei Jahre nach Erscheinen der ersten Ausgabe 2005 stellte der publizistische Versorger der heimischen Drum’n’Bass-Szene Andreas Klinger sein Magazin „Resident“ konsequenterweise ein. Seit Anfang 2008 betreibt er die.socialisten.at, eine Social Web-Agentur mit kompromissloser und frühzeitiger Spezialisierung auf Social Networks wie Facebook. Nach beachtlichen Projekten für Kunden wie Bild, Sueddeutsche.de und Ö3, gilt sein aktuelles Interesse einer weiteren Unternehmensgründung im Bereich Social Software/Mode.
100 österreicherinnen mit besonderer zukunft
Manche nennen sie High Potentials. Wir sehen in ihnen: aktive Menschen, denen es zuzutrauen ist, dass sie ihr und unser Umfeld, Österreich und unsere Welt in den nächsten Jahren entscheidend mitgestalten werden.
Andreas Klinger28, die.socialisten.at, Social - Media - Profi

Text: Niko Alm
Bild: Karola Rieger
Christoph Binder, 29 Felix Bohatsch, 26 Jan Hackl, 24 Peter Vorlaufer, 30Broken Rules, Game - Entwickler

Text: Martin Mühl
In Wien tut sich gerade Einiges in Sachen Games. So manche ehemalige Rockstar Vienna-Mitarbeiter kommen in den nächsten Monaten mit eigenen Projekten; der direkte Nachfolger Deepsilver Vienna veröffentlicht gerade „Cursed Mountain“ und bald „Ride To Hell“. Neben diversen Onlinegame-Bastlern und den Jungs von Bobblebrook haben sich aber besonders Broken Rules mit ihrem feinen „And Yet It Moves“ (www.andyetitmoves.net) hervorgetan. Das schöne und intelligente Dreh-Jump'n'Run erschien bereits für PC und Mac, derzeit arbeiten die vier TU-Studenten an einer Wii-Version.
Christopher Clay25, Web - Programmierer, Blogger und Designer

Text: Niko Alm
Bild: Karola Rieger
„I seem to be a verb“ (Buckminster Fuller) spornt Christopher Clay als Motto an: Der Output zählt. Nach dem Designstudium in Graz ist er Mitgründer des Technologie-Kreativzentrums Metalab, wo er später mit zwei Kollegen das Web-Start-up soup.io gründet. Mit der Idee eines „simplen Multimediablogs“ sind sie international erfolgreich. Clay reist zwischen London, Wien und Silicon Valley hin und her. Für die Zeit danach, wenn Soup verkauft oder aber gescheitert ist, hat er eine To-do-Liste parat: Vom Hacker-Grundeinkommen bis hin zur Verbesserung von Onlinenachrichten spannen sich die Ambitionen.
Links: c3o.org, soup.io, startupwiki.at
Die To-do-Liste bezieht sich auf:
soup.c3o.org/post/19821827/A-ShouldDo-list
Clemens Beer 37, Mike Borras 31Gründer von Tupalo.com

Text: Martin Mühl
Bild: Tobe Mayr
Mike Borras, geboren in L.A. und früher einer der ersten Netlabel-Betreiber, und Clemens Beer, ehemals leitender Programmierer bei Rockstar Vienna (Xbox-Version von „GTA Vice City“), betreiben seit einigen Jahren das Internet-Start-up Tupalo.com – eine Plattform, auf der die Community ihre Tipps und Kritiken zu diversen Lokalen und vielem mehr hinterlassen kann. Als sie damit begonnen haben, war dieses Service nicht nur hierzulande etwas Neuartiges, inzwischen haben sie verdienten Rückenwind durch Kooperationen mit Herold (Wien), De Telefoongids (Amsterdam) und PKT.pl. Service (Warschau) bekommen, um es weiter in ganz Europa auszurollen.
Dieter Rappold31, Web 2.0 - Prediger

Text: Claus Reitan
Bild: Bernhard Pfaffeneder
Wäre er nicht ein Profi, man hielte ihn bestenfalls für unbekümmert: Die lockere, selbstverständliche Art und Weise, mit der Dieter Rappold das Netz und seine Möglichkeiten anpreist und nutzt, ist – gelinde gesagt – atemberaubend, fast unverfroren. Rappold gibt in seinem höflichen und gewandten Auftreten durchaus Anlass zu dieser Betrachtungsweise, aber wer ihm zuhört, wer ihm auf seinen Pfaden durch das Netz folgt, der versteht: Hier sprechen das Web 2.0 und sein österreichischer Prophet, der einunddreißigjährige, seit kurzer Zeit verheiratete Dieter Rappold.
Der Absolvent der Wirtschafts-Universität Wien (Handelswissenschaften) gründete mit anderen nach einem Auslandsjahr (Graduate School of Management at Irvine/California) 2001in seiner Heimatstadt Wien das Unternehmen Knallgrau New Media Solutions GmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter er nach wie vor ist. Im Jahr darauf folgte die Fokussierung auf Weblogs Social Media und Social Software, noch ein Jahr darauf launchte er den ersten kommerziellen Bloghoster für Deutschland, Österreich und die Schweiz (http://twoday.net). In den mehr als acht Jahren seit Gründung entwickelte sich Knallgrau, wie Rappold in seinem Lebenslauf erläutert, zum führenden Anbieter für Lösungen rund um Web 2.0 und Social Media mit 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Büros in Wien und in München. Derzeit zählen rund 500 Unternehmen in Österreich, der Schweiz und Deutschland zu den Kunden von Knallgrau.
Dieter Rappold hielt bereits dutzende Vorträge, auch vor Österreichs Verlegern, vor dem Internet World Kongress in München und der Web 2.0 Expo in Berlin, wurde auch schon von Firmen zu Referat und Diskussion eingeladen. Bei so viel an beruflicher Aktivität kann nur eine weitere der Ausgleich dafür sein: Sport. Er war über zehn Jahre lang aktiver Handballer, spielte drei mal mit unterschiedlichen Teams in den Staatsmeisterschaften mit. Er sagt, er liebe Surfen und Klettern, habe auch keine Bedenken, sich an einem Zehnkampf zu beteiligen.
Erst jüngst erhielt er eine Einladung zu einer Lehrveranstaltung am Journalismus-Institut der Fachhochschule Wien. Dessen Leiter, Dr. Reinhold Christl, schickt Rappold nur mit einer einzigen Vorgabe in den Hörsaal: „Erzählen Sie den Leuten, was Sie machen.“
Florian Kaps39, Polaroid - Produzent

Text: Andreas P. Jagersdorfer
Bild: Privat
Florian Kaps leitet ein ehrgeiziges Projekt und dafür werden ihm wahrscheinlich tausende Hobby-, Kunst- und professionelle Fotografen dieser Welt dankbar sein. Der 39-Jährige hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, den einzigen Filmtyp mit nostalgischem Kultfaktor zu retten. Kurzerhand hat er die lahm gelegte Produktionsstätte von Polaroid-Filmen in Holland gemietet und wird ab 2010 die Herstellung dieses schon eingestellten Filmformats wieder aufnehmen – als einziger Polaroid-Produzent weltweit.
Philipp Breuss - Schneeweis, 383 Andreas Hausner, 26, Martin Lechner, 25, Nicola Radacher,29, Markus Tripp,36Mobilizy, Entwickler von Mobile - Applications

Text: Werner Reiter
Derzeit wird viel über Augmented Reality (kurz AR) geschrieben und diskutiert. Ein Salzburger Start-up-Unternehmen namens Mobilizy ist wesentlich an diesem Boom beteiligt. Ihr Wikitude World Browser ist gerade dabei, sich als das Maß aller AR-Dinge zu etablieren. Nachdem die Virtual Reality endgültig heruntergewirtschaftet hat, geht es jetzt darum, das Abbild dessen, was weithin als Realität anerkannt wird, mit Zusatzinformationen zu versehen. Was in Worten so kompliziert klingt, ist in der Tat auch eine ziemliche technische Herausforderung. In der Wikitude-Anwendung sieht alles wieder ganz simpel aus: Wer den Sucher seiner Handykamera auf eine Sehenswürdigkeit richtet, erhält Zusatzinformationen eingeblendet. Als Quellen dienen etwa Wikipedia oder ortsbezogene Inhalte, die von der Wikitude.me-Community selbst erstellt wurden. Die Story hinter Mobilizy hat das Format einer Start-up-Bilderbuchgeschichte: Ein paar junge Menschen zwischen 25 und 38, die ihre beruflichen Sporen bei SonyDADC verdient haben, reichen eine Anwendung bei einer Android Developer Challenge ein und kommen unter die internationalen Top 50. Der Razorfish Digital Outlook Report 2009 listed Wikitude unter den „Top 10 mobile apps to watch in 2009“. Mittlerweile arbeiten sechs Festangestellte und je nach Auftragslage einige weitere Menschen bei Mobilizy. Der World Browser für Smartphones mit Android Betriebssystem liegt in der Version 3 vor. Die iPhone Applikation ist auch schon bei Apple eingereicht und es gibt ein API, mit dem Applikationsentwickler AR-Anwendungen für den World Browser entwickeln können. Ein Beispiel für eine solche Applikation hat Mobilizy selbst im Portfolio: Wikitude Drive ist eine Navigations-Anwendung, bei der die Anweisungen in das Live-Bild der Straße integriert werden. Möglichkeiten für AR-Anwendungen gibt es massenhaft, Travel-Guides und Navigations-Software sind da erst der Anfang. Das haben mittlerweile auch zahlreiche Unternehmen erkannt, die Mobilizy mit der Entwicklung von Spezialanwendungen beauftragt haben. Die Auftragslage ist gut und der Kundenstamm international. Mobilizy entwickelt für Unternehmen aus China, Israel, Malaysia und für Red Bull. Die Projekte sind ein zweites Standbein, das es Mobilizy bislang ermöglicht hat, als selbstfinanziertes Unternehmen aufzutreten. Dabei will man aber keinesfalls das erste Standbein vergessen, nämlich die Schaffung eines AR-Standards. Mit ARML (Augmented Reality Markup Language) will man den Weg von HTML gehen und eine universell einsetzbare Programmiersprache etablieren. Die Chancen für das kleine Salzburger Unternehmen stehen gut, hier nicht nur kurzfristige Aufmerksamkeit zu erhalten, sondern tatsächlich das Maß aller AR-Dinge zu werden.
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