Tapetenwechsel?
100 österreicherinnen mit besonderer zukunft

Manche nennen sie High Potentials. Wir sehen in ihnen: aktive Menschen, denen es zuzutrauen ist, dass sie ihr und unser Umfeld, Österreich und unsere Welt in den nächsten Jahren entscheidend mitgestalten werden.

<a href="100-oesterreicher/design/#bernardobader">Bernardo Bader</a>
<a href="100-oesterreicher/design/#christianegruber">Christiane Gruber</a>
<a href="100-oesterreicher/design/#christofnardin">Christof Nardin</a>
<a href="100-oesterreicher/design/#juliacranz">Julia Cranz</a>
<a href="100-oesterreicher/design/#lenahoschek">Lena Hoschek </a>
<a href="100-oesterreicher/design/#lillihollein">Lilli Hollein</a>
<a href="100-oesterreicher/design/#oliverirschitz">Oliver Irschitz</a>
<a href="100-oesterreicher/design/#petarpetrov">Petar Petrov</a>
<a href="100-oesterreicher/design/#peterpilotto">Peter Pilotto</a>
<a href="100-oesterreicher/design/#rainermutsch">Rainer Mutsch</a>
<a href="100-oesterreicher/design/#wallysalner_johannesschweiger">Wally Salner 38, Johannes Schweiger 36,</a>


Bernardo Bader35, Architekt und Raumbildner

Text: Herwig Bauer

Text: Herwig Bauer

Der gebürtige Bregenzerwälder setzt sich bei seiner Arbeit ernsthaft und mit Hausverstand mit dem Ort und v.a. dem Kontext des zu Gestaltenden auseinander. Trends sind kein Thema, funktionale und emotionale Bedürfnisse, Landschaft, (Mikro-)Klima und Historie stellen wichtige Einflussgrößen dar. Bader inszeniert nicht sich selbst, sondern stellt sich in den Dienst der Menschen, die sich in seinen Räumen bewegen werden. Demut, Respekt, Präzision, Gewissenhaftigkeit und Pragmatismus komprimiert er im ständigen Dialog zu klaren Baukörpern zeitloser Gültigkeit und entschiedener räumlicher Klasse.

 

Christiane Gruber34, Modedesignerin

Text: Magdalena Vukovic
Bild: Daniela Beranek

Text: Magdalena Vukovic
Bild: Daniela Beranek

Fließende Gewänder aus hochwertigen Viskose-Stoffen sind das Markenzeichen von Awareness & Consciousness, dem Labelgründerin Christiane Gruber immer treu geblieben ist. Als eine der wenigen österreichischen Designer ist die Mode der 34-Jährigen mitnichten unterkühlt und umhüllt die Trägerin mit satten Schichten zarter Stoffe. Mit Konsequenz, sowie gleich bleibender Qualität ist es ihr gelungen, einen unnachahmlichen Stil zu etablieren, der – oft kopiert – nie erreicht wurde (gebatikt hat die Wiener Designerin übrigens schon lange vor dem Ideendieb H&M).

 

Christof Nardin30, Neugieriger Allesdesigner

Text: Herwig Bauer

Text: Herwig Bauer

Ein Blick auf christofnardin.com verrät: Da verlässt sich einer nicht auf eine einmal gefundene Linie, sondern gräbt und wühlt. Raumgestaltungen, Websites, Print – in der Wahl seiner Methoden und Medien schränkt sich Nardin nicht ein. Ein sezierender Blick auf den dreckigen Alltag, abseits von hippen Stylism. Meist mit Ironie, denn ein permanentes Thema sind soziale Anliegen. Nardin plündert aber nicht orientierungslos, sondern verfolgt klar definierte Ziele, hinterfragt seine Kommunikations-Arbeit bis an die Grenze zu Selbstzerstörung. Und dafür hat der Absolvent der Angewandten ordentlich Preise abgeräumt. International. Und die großen Würfe kommen noch.

 

Julia Cranz27, Hutdesignerin

Text: Magdalena Vukovic
Bild: Stephan Doleschal

Text: Magdalena Vukovic
Bild: Stephan Doleschal

Die junge Modistin und Hutmacherin Julia Cranz hat an der Modeschule Wien gelernt und fertigt ihre detailverliebten Kreationen in eigenen Ateliers in Eichgraben (NÖ) und Venedig. Ebenso ungewöhnlich wie die Wahl ihrer Arbeits-Standorte ist auch die bunte Mischung aus Materialien, welche die 27-Jährige für ihre Hüte verwendet. Mit Federn, edlen Metallen, Schmucksteinen oder Filz bestückt – und stets hervorragend verarbeitet – erfreuen sich ihre „Hats, Hat-pieces and more“ bei schicken, modevernarrten Damen weltweiter Beliebtheit.

 

Lena Hoschek 28, Mode- und Dirndldesignerin

Text: Magdalena Vukovic

Text: Magdalena Vukovic

Die gebürtige Grazerin hat in Wien Mode studiert und ihre Laufbahn mit simplen Trachtenröcken aus bunten Borten angefangen. Nach der Ausbildung absolvierte sie ein Praktikum bei Vivienne Westwood und gründete wenig später ihr eigenes Modelabel. Sechs Kollektionen folgten und mittlerweile ist sie bei einer umfassenden Modelinie angelangt, die dieses Jahr erstmalig bei der Berlin Fashion Week gezeigt wurde. Vom schicken Jäckchen bis zum schmalen Bleistift-Rock kann man sich nun von Kopf bis Fuß in Lena Hoschek kleiden. Die passende Sonnenbrille gibt es selbstverständlich auch dazu, denn seit diesem Jahr arbeitet die Designerin mit dem österreichischen Traditionshaus Robert La Roche zusammen. Bei dieser Koproduktion ist eine Serie entzückender Brillen entstanden, die mit Glitzersteinen und Grace-Kelly-Ästhetik bei den Modestars unter uns keinen Wunsch offen lassen.
In Lena Hoscheks Kleidung treffen sich üppige Weiblichkeit, der Stil der 50er Jahre und die österreichische Dirndl-Kultur. Die Mode kommt international gut an und es scheint als hätte die Welt auf Taille, Busen und Po gewartet. Ein Grund, warum Lena Hoschek mittlerweile ein Begriff in der Modeszene geworden ist, dürfte das humorvolle Gesamtpaket sein. Mit spielerischer Leichtigkeit und der offensichtlichen Absicht, tragbare Mode zu kreieren, setzt sich die Designerin über die steife Intellektualität junger Avantgarde-Designer hinweg. Vom ironischen Elvis-Aufdruck über die neckischen Baströckchen bis zu den Rockabilly-Einflüssen, die sich wie ein roter Faden durch ihr Oeuvre ziehen, macht Lenas Mode einfach Spaß. Kein Wunder also, dass Katy Perry kürzlich eine ihrer Kreationen auf der Bühne trug und damit für Aufregung in unseren Breiten sorgte. Sogar ein Verhältnis hat man dem Popstar mit der steirischen Designerin nachgesagt. Diesen Trubel um ihre Person hat Lena Hoschek aber mittlerweile hinter sich gelassen und in Wien unlängst ihre zweite Boutique (nach Graz) aufgemacht. Damit ist sie bestimmt keine Nischendesignerin mehr. Und die Liste der Geschäfte, die Mode von Lena Hoschek weltweit führen, ist für die lokal vorherrschenden Verhältnisse zumindest beeindruckend.

 

Lilli Hollein37, Design - Funktionärin

Text: Lisa Stadler
Bild: Katharina Gossow

Text: Lisa Stadler
Bild: Katharina Gossow

Geschrieben hat Lilli Hollein schon für The Frame, H.O.M.E., Domus, Der Standard und viele mehr, über sie wurde vor allem im Zusammenhang mit der Neigungsgruppe Design, die von der 37-jährigen studierten Industrial-Designerin mitbegründet wurde, und der „Vienna Design Week“, wo Hollein wesentlich an der Organisation beteiligt ist, berichtet. Dieser Frau verdankt Österreich die verstärkte Präsenz von Design in der Gegenwart und wohl hoffentlich auch noch durch viele kommende Projekte in der Zukunft.

 

Oliver Irschitz37, Architekt und Messe - Austatter

Text: Martin Mühl

Text: Martin Mühl

Games-Steuerung ohne Controller (so gut wie in „Minority Report“), Multimedia-Staatspreise oder Ars Electronica-Spielereien. Was für andere noch Zukunft ist, hat Oliver Irschitz mit seiner Firma Peyote (www.peyote.cc) industriefertig selbst entwickelt: interaktive Leinwände, Wände oder auch Fußböden, die mittels Bewegung oder Berührung gesteuert werden. Der geborene Tiroler studierte Architektur an der Akademie der Bildenden Künste und arbeitet seit mehr als zehn Jahren an der Schnittstelle von Mensch und Maschine, genauer: Computer. Für einen Verkaufs- und Präsentationstisch für Mercedes wurde Oliver Irschitz 2008 mit dem Grand Prix beim Red Dot Award ausgezeichnet. Andere namhafte Kunden waren etwa Swarovski oder Vattenfall. Gemeinsam mit zwei Krankenhäusern hat er ein spielerisches Rehab-Tool für Schlaganfalls-Patienten umgesetzt. 2006 wurde im 20. Stockwerk des ersten am Ground Zero wieder errichteten Turms sein iFrame zur Steuerung des interaktiven Informationssystems „Windows to The Future“ genutzt. 2008 realisierte er gemeinsam mit LIA Software Art und Miguel Carvahais in The Public Gallery in Großbritannien eine Installation aus einem 25 Meter hohen „Data Fall“ und zwei "Content Pools", die individuell auf die Besucher reagierten. Internationales Interesse, Einladungen ins IBM Research Lab, ins MIT oder Siggraph sind da eine angenehme Folge. Derzeit arbeitet er an der 500qm-Komplettbespielung des Österreich-Pavillons auf der EXPO 2010 in Shanghai. 

 

Petar Petrov24, Modedesigner

Text: Magdalena Vukovic
Bild: Ingo Pertramer

Text: Magdalena Vukovic
Bild: Ingo Pertramer

Schon vor einigen Saisonen war der gebürtige Bulgare Petar Petrov Dauergast in Modebibeln wie /i-D/ oder /Dazed & Confused/. Konsequent hat er sich von dem einschränkenden Begriff „österreichische Mode“ entfernt und ist damit auch gut gefahren, wie man neidlos zugeben muss. Sein Name ist der internationalen Modeszene ein Begriff und er ist zu einem Fixpunkt für Insider in Paris geworden. Die schmalen, knabenhaften Silhouetten sowie die minderjährig wirkenden Models des selbst erst 24-Jährigen haben mittlerweile Kultstatus erreicht.

 

Peter Pilotto32, Modedesigner

Text: Magdalena Vukovic
Bild: Mel Bles

Text: Magdalena Vukovic
Bild: Mel Bles

Der gebürtige Tiroler Peter Pilotto hat mit seinem gleichnamigen Modelabel, das er mit dem Studien-Kollegen Christopher de Vos gegründet hat, bei der London Fashion Week schon mehrfach für Aufsehen gesorgt. Pilotto hat in Antwerpen und London studiert und ist derzeit auf dem Vormarsch. Die farbenfrohen und poetischen Kreationen des 32-Jährigen mit ausgeklügelten Musterungen, die stets der weiblichen Figur schmeicheln, sind den Tiefen der Avantgarde spätestens dann entstiegen, als Rihanna sie am Körper trug.

 

Rainer Mutsch32, Outdoor - und Möbeldesigner

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Studio Rainer Mutsch

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Studio Rainer Mutsch

Rocking Chairs, Shifts und R-Tables sind das gewohnte Metier von Rainer Mutsch und im Grunde klingt das genau nach dem was es ist: ausgefallenes, modernes Designs. Neben gecrashten Regalen und rockigen Sesseln verfolgt der 32-jährige Wahlwiener aber auch größere Ziele. Letztes Jahr designte er die Römerquelle-Zentrale, die er in eine materialisierte grüne Welle verwandelte und bekam heuer den Red-Dot-Design Award für ein Outdoor-Möbel-Konzept. 2010 erwartet ihn eine große Ausstellung bei der Interior-Biennale in Belgien und danach, so Rainer Mutsch, „werde ich mich einmal ordentlich mit Licht auseinandersetzen“.

 

Wally Salner 38, Johannes Schweiger 36,Fabrics Interseason, Künstler und Modemacher

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Fabrics Inerseason

Text: Andreas P. Jagersberger
Bild: Fabrics Inerseason

Seit Jahren schon steht Fabrics Interseason für eine sehr bewusste Auseinandersetzung mit ihrer – direkten – Umwelt. Die Arbeiten des Gespanns Salner & Schweiger basieren stets – ob Mode-Kollektionen oder auch dezidiert Künstlerisches – auf Diskurs und strenger Recherche gesellschaftspolitischer Fragen. Eine Herangehensweise, die gerade für Mode doch ungewöhnlich ist. Auch, dass die beiden ihr Schaffen intertextuell im Kontext von Kultur, Kunst, elektronischer Musik, Design und Performance positionieren. Ein Andeutungs- und Facettenreichtum, den andere Modemacher tendenziell eher aussparen. Hübsch anzusehen sind ihre Kreationen nichts destotrotz.
1998 von Wally Salner und Johannes Schweiger gegründet, konnte sich Fabrics Interseason hierzulande längst als Fixgröße in der Modeszene behaupten. Ihre künstlerischen Projekte und Ausstellungen, die sich mit kulturgeschichtlichen und sozialen Phänomen beschäftigen, schafften bereits den Sprung in die Internationalität und wurden in Deutschland, Frankreich und den USA gezeigt.

Jährlich sind Fabrics Interseason auch bei der Pret-a-Porter Fashion Week in Paris präsent, wo sie seit 2003 zweimal jährlich ihre Kollektionen zeigen – die dort immer größeren Anklang finden. Heuer noch werden die beiden Modemacher in Paris ihre Frühlings- und Sommerkollektion für das kommende Jahr vorstellen, und auch die Tokyo Fashion Show hat die Österreicher  zu einer eigenen Präsentation eingeladen.
Längst haben auch Kunsthochschulen und Mode-Ausbildungsstätten das Potenzial von Fabrics Interseason erkannt und sie zu Lectures, Symposien und Vorträgen geladen. Diesen Herbst hat die Modeschule Wien Fabrics Interseason für eine Gast-Professur im Schloss Hetzendorf verpflichtet. Wenn Wally Salner und Johannes Schweiger den Bakkalaureats-Studierenden die Sinne für Interdisziplinäres und Gesellschaftspolitik schärfen, dürfte das zumindest die Wiener Modelandschaft nachhaltig prägen.

 
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