Spätestens seit Gilles Peterson ihn in seiner Worldwide-Show in höchsten Tönen lobte und das Album „When Planets Explode“ den hohen Erwartungen gerecht wurde, wollen viele in dem Keyboard-Zaubergesellen den legitimen und zeitgemäßen Erben Joe Zawinuls sehen. Wenige sind derzeit so dauerbeschäftigt und schwer erreichbar wie Concept. Flying Lotus, Hudson Mohawke oder Gaslamp Killer frickeln mit ihm auf Augenhöhe. So viel Können kann sobald nicht verhungern.
100 österreicherinnen mit besonderer zukunft
Manche nennen sie High Potentials. Wir sehen in ihnen: aktive Menschen, denen es zuzutrauen ist, dass sie ihr und unser Umfeld, Österreich und unsere Welt in den nächsten Jahren entscheidend mitgestalten werden.
Oliver Thomas Johnson25, Dorian Concept, Electro-Funk-Wunderkind

Text: Stefan Niederwieser
Clemens Fantur33, Manuva, Blogger und Musiker

Text: Stefan Niederwieser
Bild: Stefan Doleschal
Manuva, bürgerlich geboren in Tirol als Clemens Fantur, ist eine der treibenden Personen hinter der Musikplattform Supercity und ebenfalls Rackerer für österreichische Musik als Hauptverantwortlicher des FM4 Soundparks (gemeinsam mit Stefan Trischler). Besonders Supercity (Label, reichhaltiger Blog, Veranstalter, Agentur, soziales Modell, etc.) lebt ganz wesentlich von der kollektiven Leistung – Manuva spuckt dabei besonders eifrig Content aus; nur der Musikauswurf von Manuva, früher mal mit Total Chaos, stockt leider schon zu lange.
Ilias Dahimène30, Musiker und Label - Betreiber

Text: Stefan Niederwieser
Es ist nicht nur so, dass das Label Seayou Records durch das Departure-Gründerprogramm gefördert wird, nein, Ilias Dahimène hat auch noch sowohl das intellektuelle wie auch wirtschaftliche Rüstzeug (viel zu oft ist nur eines von beiden vorhanden), um im immer problematischer werdenden Musikgeschäft zu bestehen und zu wachsen. Mit Fettkakao und Siluh ist Seayou das interessanteste Ein-Mann-Label Österreichs; hat allerdings mit den Thieves Like Us ein schickes Zupferd, um auch international zu reüssieren.
Eva Bischof-Herlbauer 34, Gerald Herlbauer, 39Breitwandprojektionskünstler, 4youreye

Text: Stefan Niederwieser
Bild: 4Youreye
Im Flex ist das Duo 4youreye sowieso daheim. Als Visualisten tauchen sie vorwiegend elektronische Musik in grazil geschnittene Licht- und Bildfolgen. Von da kommen sie her. Das VJ-Mag hat sie in den letzten Jahren regelmäßig in ihre Top10 gewählt. Inzwischen ist ihre Projektionskunst aber auch in der Formel 1 oder auf Business-Events gefragt, beim Urban Art Forms sowieso, und den Salon Projektionist kuratieren sie obendrein (u.a. mit Coldcut). Mehrere Projekte mit Großbildprojektoren in Asien stehen gerade in der Produktion – 4youreye sind nichts weniger als eine Speerspitze der österreichischen und internationalen Visual Art.
Tanya Bednar,34, Georg Lauteren,36, Stefan Possert,34, Koko Sorger,27Zero - Inch, Mp3 - Downloadportalsbetreiber

Text: Maximilian Zeller
Bild: Anja Tessmann
2008 launchte eine Gruppe von Kreativen, darunter die Wiener DJs Glow und Tibcurl, das Musik-Download-Portal Zero″ (Sprich: Zero Inch). Der Katalog wird persönlich vorselektiert und redaktionell betreut, wie in einem richtigen Plattenladen. Man bekommt tiefschürfende Begleitinformation und alle Labels und Künstler sind geografisch verortbar, was den Sound einer Stadt (be)greifbar macht. Zero″ haben es damit blitzschnell geschafft, zu einer der wichtigsten Bezugsquellen für DJs und Elektronik-Begeisterte zu werden. Und es will etwas heißen, wenn sogar der Teilhaber des Marktführers Beatport und Star-DJ Richie Hawtin meint: „ Zero″ ist wie eine Boutique!“
www.zero-inch.com
Clara Moto26, Techno - Produzentin

Text: Stefan Niederwieser
Bild: Antonia Legenstein
Den Namen der Grazerin Clara Moto kennt man derzeit noch vorwiegend in informierten Technokreisen – denn der PR-trächtige Release eines Debütalbums steht noch aus (angepeilt auf Februar 2010). Aber durch viele Auftritte und ein klar international orientiertes Label, Infiné, hat sich eine erstklassige Reputation erspielt. Auftritte in Montreux, beim Sonár-Festival oder ihr Re:Haydn-Mix zeigen die Qualitäten einer Musikerin auf, deren Kindheit vor allem von klassischer Musik geprägt war.
Andreas Spechtl25, Musiker und Sprachrohr

Text: Stefan Niederwieser
Bild: Julia Spitzer
Andreas Spechtl ist so klar die treibende Gedankenkraft hinter der Gruppe Ja, Panik, dass man gelegentlich darauf vergisst, dass die Band ein funktionierendes Quintett ist. Covers und Features quer durch den deutschsprachigen Blätterwald widmen sich aber vor allem dem Burgenländer bzw. Neo-Berliner Spechtl. Seine Texte sind voll Witz und Ernst, häufig versetzt mit englischer Sprachkünstlichkeit, seine Methode überlegt, seine Äußerungen außerhalb vom Primärtext (den Songtexten) taugen dazu, mittelfristig im Theaterbetrieb oder im Club2 gleichermaßen zu landen. Für honorige Reden für die Kunstöffentlichkeit ist er glücklicherweise noch zu eigensinnig.
Hennes Weiss32, Clubbesitzer und Marketeer

Text: Stefan Niederwieser
Bild: Michael Winkelmann
Hennes Weiss hat nicht nur zahlreiche internationale Stationen als Marketing Manager (bis vor Kurzem noch Diesel Österreich) hinter sich, sondern außerdem noch unbestrittene Qualitäten als Cover- und Posterboy. Vor allem aber hebt er gerade mit Stefan Hiess die Wiener Pratersauna an die Spitze der Wiener Clublandschaft. Mit viel Konzept, Design, etwas Exzess, Kunst und einer unschlagbaren (Sommer-)Location ist er die stets lässig-kumpelhaft wirkende Verbindung zur unvershvitzten Außenwelt. Mit allen PR- und Marketingwässerchen gewaschen, verbindet Hennes Weiss wie nur wenige Hipness mit dem Gespür für Geschäft.
Hannes Tschürtz32, Musik - Aktivist und Label - Betreiber

Text: Martin Mühl
Bild:Christian Pitschl
Vor mehr als zehn Jahren war der studierte PR-Berater bei den Festivals in Wiesen tätig - dort begann seine Arbeit mit Garish, die zu den größten Erfolgen seiner Agentur Ink und seines Labels Schoenwetter Schallplatten zählen. Heute betreut er neben anderen etwa Trouble Over Tokyo und Ja, Panik. Der Burgenländer engagiert sich aber nicht nur für „seine Bands“, sondern ist allgemein darum bemüht, das Musikland Österreich, die Strukturen (VTMÖ, AMAN, Ink.Academy, ...) und die Möglichkeiten zu fördern. Sein Ansatz erscheint manchmal gar ein wenig klassisch, sein Einsatz und sein Herzblut sind unumstritten.
Johannes LehnerJurist, DJ und Techno - Produzent

Text: Maximilian Zeller
Bild: Stefan Beyer
Johannes Lehner, auch bekannt unter dem Namen El Gonzo, ist nicht nur ein studierter Jurist, sondern auch erfolgreicher Labelbetreiber, Produzent und DJ. Neben seinem DJing (Flex-Resident) hat er es geschafft, innerhalb kürzester Zeit seine Produzenten-Tätigkeit gehörig auszubauen und gemeinsam mit seinem Kollegen Andy Catana das erfolgreiche Minimal-Tech-House-Label „Do Easy-Records“ aus dem Boden zu stampfen. Mittlerweile releast Lehner nicht nur dort, sondern auch bei Drumpoet Community, Flex Schallplatten und Micro.fon. Na bravo.
Alexandr Vatagin26, Soundbastler und Label - Chef

Text: Martin Mühl
Bild: Lidia Alexandrova
Alexandr Vatagin, geboren in der Ukraine, hat bis vor zehn Jahren kaum Musik gehört. Vielleicht kommt daher sein freier Umgang mit der Materie. Heute betreibt er die wirklich spannende Band Tupolev (neues Album 2010), die Postrock-Fingerübung Slon, ist bei den italienischen Port-Royal zugange, produziert das Album des Werner Kitzmüller Trios und betreibt sein Label Valeot (www.valeot.com). Ein umtriebiger, höchstgradig eigenständiger und entspannter Fanatiker – aber vielleicht entdeckt er auch bald ein anderes, bisher nicht beachtetes Betätigungsfeld zwischen Mödling, Genua und Tourleben.
Pinie Wang30, Grafikerin, Modedesignerin und DJ

Text: Stefan Niederwieser
Bild: Maciej Palucki
Pinie Wang wurde 1979 in Peking geboren, saugt seit ihrem Umzug im zwölften Lebensjahr westlich-urbane Ikonographien auf und pendelt auch heute noch zwischen Europa und Asien. In ihrer Arbeit verbindet sie das Beste zweier Sphären, quer über die Felder Grafik, Fotografie, Mode, Kunst, Kuratortätigkeit und Musik hinweg. Neben leidenschaftlichem DJing (u.a. Myyy Bitch Club) bleibt noch Zeit für eine Doktorarbeit über Musik, Werbeindustrie und Massenmedien. Pinie Wang ist ein Ich-Kreativ-Syndikat, das gerade wegen seiner Breite in fast allen kreativen Kontexten funktionieren kann.
Violetta Parisini28, Songwriterin und DJ

Text: Johanna Stögmüller
Bild: Anita Schmid
Violetta Parisini ist der sehr lebendige Beweis dafür, dass Menschen durch ihre Stimme und ihre künstlerische Ausdruckskraft pure Freude vermitteln können. Als Songwriterin, Musikerin und DJ - mit Zwischenstationen bei Musikerkollegen wie Mieze Medusa & Tenderboy, Madita, Tanz Baby!, in New York oder bei Jamie Lidell - hat sie mit ihrem Debüt "Stand Still", das sie gemeinsam mit dem 24seven Collective aufgenommen hat, zum Sprung in das ganz große Musikbusiness angesetzt. Und der wird gelingen.
Franz Adrian Wenzl33, Austrofred, Brachial-Poet

Text: Manfred Gram
Bild: Ingo Pertramer
Mit dem Austrofred schuf der 33-jährige Franz Adrian Wenzl eine ebenso funktionierende wie polarisierende Kunstfigur. Als Frontman und textliches Mastermind hinter der zornigen Gitarrenkombo Kreisky ist der gebürtige Steyrer der lässig polternde Sonnenkönig des heimischen Undergrounds. Zudem bewegt er sich auch als launiger Avantgarde-Poet gekonnt am glatten Literatur-Parkett. Eine gut geölte Kreativmaschine, die läuft und läuft und läuft.
Anja Plaschg19, Soap & Skin, Musikerin

Text: Stefan Niederwieser
Bild: Anja Plaschg
Die Coverdame unsrer März-Ausgabe wurde schon mit 16 Jahren als großes Ding der Zukunft gehandelt. Und im Unterschied zu vielen angeblich vorgezeichneten Karrieren hielt das Album "Lovetune For Vacuum" dem Erwartungsdruck stand, die Inszenierung war wasserdicht, der Geruch von exklusiver Genialität hing in der rauchigen Luft. Das nach allen Pop-Standards zumindest ... schwierige ... Album kam in die heimischen Top10. Und auch international - von "Spiegel" über "Pitchfork" und "Guardian" - ist für den Wunder-Teenager noch kein Ende der Wertschätzungskette in Sicht.
MarflowWolfram Eckert, 27, Musiker, Produzent und Trash-Ikone

Text: Martin Mühl
Bild: Lukas Beck
Wolfram Eckert aka Marflow, auf meine Frage nach seinen aktuellen Projekten: „Ich bin letzten Donnerstag aus New York zurückgekommen, dort habe ich auf einer Party aufgelegt. Lady Gaga hat allein auf einem Flügel drei Songs performt und ich war überrascht, wie talentiert sie ist. Es war Marc Jacobs Party, die traditionell den Höhepunkt der New Yorker Fashion Week darstellt, und so war Madonna auch dort." Und sonst? „Ich fliege viel herum, sehe viel und verdiene wenig. Ich lege bei den Partys von internationalen Magazinen auf, wo schon mal Kanye West auftaucht. Bald habe ich meinen ersten Abend in Tokio, auf den ich mich besonders freue.“ Gut. Wir interpretieren: Marflow ist ein österreichischer Produzent, DJ, Labelmacher und Club-Veranstalter, der international reüssiert. Masterplan gibt es keinen, Zufall ist das aber trotzdem keiner. Denn Wolfram Eckert kennt sich aus, arbeitet nur mit Spitzenleuten zusammen und veröffentlicht nur auf Top-Labels. Und nur wenige haben so früh MySpace und Facebook so effizient genutzt wie er.
Seine Pläne der nächsten Monate: Ein Album-Release im Frühjahr 2010 – da will er aber noch mit dem Label über die Rechte verhandeln. Das Musikvideo, in dem Andrew Butler von Hercules & Love Affair mitspielt, ist jedenfalls schon im Kasten. Seine Videos gibt er regelmäßig an der Wiener Kunstakademie als Arbeiten ab und bekommt auch dort gute Noten. Auf seinem eigenen Label Diskokaine stehen ebenso Releases an: 12-Inch-Vinyls, auf denen er mit Leuten wie Patrick Pulsinger, Legowelt oder auch Alden Tyrell kooperiert. 2004 hat Eckert, der immer noch eng mit der Fashion-Welt verbunden ist, aufgehört zu modeln; seit damals betreibt er den Club e-nix Gangbang in Wien und sorgt für internationale DJ-Gäste. Die Musik selbst? In erster Linie: Party. Elektronisches zwischen einem unpeinlichen Faible für 80er-Klänge und aktuellsten, gern auch mal dreckigen Sounds. Kooperationen mit Princess Superstar, Holy Ghost oder auch DJ Funk gehören dazu. Im November muss auch noch der zweite Remix für Moby fertig werden. Dessen Sound findet Wolfram zwar nicht immer nur gut, dennoch verstärkt er regelmäßig seine Live-Band und übernachtet bei seinen New York-Aufenthalten in dessen Wohnung. Man könnte nun vielleicht sagen, Marflow hat es geschafft. Ob ihm das wichtig ist?
Christian Schwanz32, CEE, Dub-Soul-Innovator

Text: Stefan Niederwieser
Cee (bürgerlich Christian Schwanz) ist nicht nur Mitgründer des Al Haca Soundsystems, sondern er denkt derzeit mit dem 360-Grad-Musikunternehmen Crunchtime die Funktionsweise von Pop (in dem Fall mit Zukunfts-Ionen geladenem Bass-Dub-Soul) um zwei Ecken weiter. Das Label als ständig vernetzte, aber gesunde Marketing- und Kooperationsplattform – das ist ein Ansatz, der auch international trägt. Er selbst erweitert sich dieser Tage nach Malaysia, sein Partner Stereotyp führt in Wien die Arbeit fort.
Eva Jantschitsch29, Gustav, Musikerin

Text: Stefan Niederwieser
Bild: Georg Wallner
Es gibt auch heute kaum jemand, der sich durch Musik so ernsthaft in öffentliche Diskurse einbringt und offensiv kritisch Position bezieht wie Eva Jantschitsch aka Gustav. Als Person mag sie um einiges sperriger und ungreifbarer als andere sein, sie verweigert sich den an sie gestellten Erwartungen, sie ist allerdings auch häufig notwendiger Stachel im Fleisch der Gegenwart. Eva Jantschitsch bricht die flauschige Electronica-Ästhetik ihrer Musik mit Widerborstigkeit auf – sie ist eine der wenigen, ernst zu nehmenden politischen Künstlerinnen in diesem Land.
Andreas Fraenzl35, Mund-Musiker und Kurator

Text: Thomas Weber
Foto: Privat
Man kennt ihn vor allem von der Bühne – als einen der Mundmusikanten von Bauchklang. Wie nur wenige Szene-Akteure vereint der Niederösterreicher mit absolviertem Kunststudium auch sonst Weltbürgertum und Bodenhaftung. Was sich vielleicht am besten darin zeigt, dass Bauchklang längst auch in Montreux oder Mumbai ein Begriff ist, Andreas Fraenzl selbst aber beharrlich im Spannungsfeld Wien - St. Pölten wirkt. Mit dem Kulturprojekt LAMES macht er dort gerade durch, was Wien durch Arena-Besetzung und WUK vor Jahrzehnten hinter sich gebracht hat: das selbstbewusste Beharren auf kreative Freiräume, die nicht primär die kommerzielle Urbarmachung im Sinn haben. Ganz offiziell kuratiert er seit Kurzem auch die offene Veranstaltungsschiene „Café Publik“ im St. Pöltener Festspielhaus.





















